Wien: Jesus putzt

nach Michail Bulgakow «Meister und Margarita»

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Der Teufel steckt wie immer im Detail. In einem Großraumbüro, in das kein Tageslicht fällt, türmen sich auf den Schreibtischen dicke Wälzer über Religionsgeschichte und Ordner über einen gewissen Pontius Pilatus, der laut Neuem Testament Jesus zum Tode verurteilt hat. Wo sind wir hier? Das estnische Regie- und Ausstattungsduo Ene-Liis Semper und Tiit Ojasoo hat für die Dramatisierung von Michail Bulgakows berühmtem Roman «Meister und Margarita» im Wiener Akademietheater eine zeitlos triste Spielstätte entworfen, die Redaktionsstube, Verlag und Zensurbehörde in einem sein kann.

Nur sonderlich russisch ist hier nichts. 

Zu Beginn agieren die gestressten Bürokräfte so aufgekratzt, als wären sie in einer Inszenierung von Frank Castorf oder René Pollesch. Auch, was sie zum Besten geben, klingt nicht nach Bulgakow. «Religion ist so tyrannisch wie Nordkorea», brüllen sie in die Livekamera, die alles auf einen riesigen Bildschirm überträgt. Sie erklären, wie toxisch das Alte Testament ist, das vor Rassismus und Frauenfeindlichkeit nur so strotzt. Durch die Gänge aber schleicht eine seltsame Putzkraft, die diesen aufgeklärten Atheisten-Diskurs wortlos verhöhnt: Ein blutüberströmter Jesus ...

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Theater heute Dezember 2019
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Karin Cerny

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