Geschlossene Gesellschaft

150 Jahre «Tristan und Isolde» – Urenkelin Katharina inszeniert Richard Wagners Jahrhundertwerk in Bayreuth

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Im zwölften Jahrhundert wurde die traurige Geschichte von Tristan und Isolde von Dichtern in Frankreich, England und Deutschland erzählt. Mit ihren Motiven wurden Pokale und Bücher bemalt, Holzkästchen und Elfenbeintafeln beschnitzt. Es war ein höfisches Märchen, das die ehebrecherischen Eskapaden mit interessierter Distanz betrachtete. Die Romantik entdeckte das Mittelalter neu und nahm die alten Geschichten furchtbar ernst. Das bürgerliche Individuum las aus dem ungeeigneten Objekt die Tragödie seiner Einschränkung her­aus.

Richard Wagners Oper bedeutete die totale Entgrenzung: Ein Paar geht lieber in den Tod, als die Unmöglichkeit seiner Liebe in dieser Welt zu akzeptieren. Und ebenso radikal brach die Musik mit allem, was für Melodie, Rhythmus, Struktur und Harmonie europäischer Musik im Lehrbuch stand. Diese Klänge öffneten eine neue Welt unerhörten Farbenreichtums, unendlicher Melodie und narkotischen Rauschs. Als «Tristan und Isolde» 1865 dank des wie ein Deus ex machina erschienenen jungen Königs Ludwig endlich in München uraufgeführt wurde, befürchtete der Komponist, bei einer guten Aufführung könnten die Menschen verrückt werden. Was zuerst da war, der musikalische Exzess ...

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Theater heute Oktober 2015
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Bernd Feuchtner

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