Globaler Großentwurf und intimer Moment
Es sieht nicht gut aus, das globale Ökosystem. Mit gesichtskonturverflachenden Masken, dazu Basecaps, auf denen «I love Bingo» steht (wobei das Verb neckisch durch ein rotes Herz ersetzt ist) oder Sweatshirts mit der sachdienlichen Information «Everything sucks» tritt es auf der Bühne des Wiener Schauspielhauses zusammen, schickt ab und zu mal einen Verbalprotagonisten aus seiner trauten Mitte an die Rampe und äußert sich dabei nicht ungern im kaugummigenuschelten Arnold-Schwarzenegger-Englisch.
Dass dieses Ökosystem in einem fort Boule-Kugeln auf das Metallgitter knallt, auf dem es sich mehr oder weniger gemütlich eingerichtet hat, macht die Lage nicht beruhigender.
Der Verdacht liegt also mehr als nahe, dass es sich bei dem hier aufgefächerten Biotop nicht wirklich um eine besonders schützenswerte Arten-Allianz handelt. Vielmehr entdeckt die junge Dramatikerin Enis Maci in ihr die (dafür fraglos komplexe) Spezies der «Mitwisser», von der es auf den ersten Seiten ihres gleichnamigen Stückes heißt: «es trifft die eiserne faust des gesetzes die mitwisser am schwächsten / mit einer milde die längst nicht mehr an gnade grenzt.» Genaugenommen, lässt Maci die ökosystemimmanenten ...
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Theater heute Juni 2018
Rubrik: Das Stück, Seite 38
von Christine Wahl
Sein Schwiegersohn Paul Lafargue beschrieb das Londoner Arbeitszimmer von Karl Marx als eine etwas chaotische Gelehrtenklause: Von Kamin und Fenster abgesehen, war jeder Zentimeter bedeckt von Regalen, «die mit Büchern gefüllt und bis zur Decke mit Zeitungspaketen und Manuskripten überladen waren». Selbst die Tische waren «voll mit Papieren, Büchern und Zeitungen»,...
Als Theatermacher und insbesondere als einer, der fürs Theater Dialoge schreibt, glaube ich, dass Amerikas Rückzug aus dem Atomabkommen mit dem Iran im Kern die Ausrufung eines neuen Zeitalters bedeutet. Die Art der Dialoge, mit der wir heute zu tun haben, zeigt vor allem eins: dass die Zeit der Dialoge vorbei ist. Die Zeiten, da wir noch miteinander sprachen,...
Finanzwirtschaft, Aktien, Junk Bonds. Man versteht so wenig. Gut, dass die Wirtschaftsjournalistin Judy Chen (Hannah Müller) gleich zu Beginn von Ayad Akhtars «Junk» an die Rampe tritt und das Publikum über die groben Eckdaten aufklärt: 1985, Manhattan, die Zeit, als die alten Industrien sich anschickten zusammenzubrechen, die Zeit, als an der Wallstreet Wetten zu...
