«Corinna ist ziemlich schonungslos»
Corinna Harfouch ist skeptisch. Es sei schon so viel über sie geschrieben worden, sagt sie am Telefon, als wir uns zum Interview verabreden wollen. Und sie langweile sich immer über sich selbst, wenn sie alles wieder und wieder erzähle. Es klingt weder zickig noch kokett: Sondern nach einem reflektierten, nachdenklichen Menschen, der schlichtweg keine Lust auf Anekdotenschauläufe hat und wirklich ernsthaft zweifelt, ob er sich – und dem potenziellen Gesprächspartner – seinen Zweifel zumuten möchte.
«Ich habe das einfach noch nicht gelernt und werde es wahrscheinlich niemals lernen», erklärt sie später beim Treffen, «Interviews als Interviews zu betrachten.» Eher komme man bei solchen Terminen ja miteinander ins Gespräch. Wenn es schlecht läuft, «fühlt man sich hinterher – und das ist ein ungeheuer deprimierendes Gefühl – wie ein ausgegossener Krug». Im Rahmen ihrer Filmarbeit, wo Interviewtermine vertraglich festgeschrieben sind, hat sie sich das Recht erkämpft, weder in Talkshows sitzen noch für die Yellow Press zur Verfügung stehen zu müssen. «Mich würde das einfach ernsthaft verletzen, in deren Sprache etwas über mich zu lesen.»
Sprache ist ein zentraler Punkt, wenn Corinna ...
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Erinnerung in Gegenwart zurückzuverwandeln – davon erzählte Jonke in seinem Theaterstück «Gegenwart der Erinnerung» (1995). Dass das niemals gelingen kann, weil es die Zeit und ihre Risse, die Erinnerung und das Vergessen, ja letztlich sogar Leben und Tod aufheben würde, wusste auch Jonke, und dennoch trieb er sein Spiel mit dieser Möglichkeit. Nicht aber, um sich...
Zunächst die gute Nachricht: Es werden keine Schuhe geworfen. Die politische Dimension von Albert Camus «Der Fremde» ist historisch, und Sebastian Baumgarten, der den Roman jetzt in Frankfurt zu einem Bühnenstück gemacht hat, verlässt sich auf die Assoziationskraft der Zuschauer, statt Camus’ Algerienparabel künstlich mit Irakverweisen aufzuladen. Gleich zu Beginn...
Fontane, Kästner, Musil, Dostojewski – das Aachener Theater folgt dem Trend und plündert in dieser Saison ausgiebig alte Romane, um neue Dramen zu finden. Für die kleine «junge» Spielstätte Mörgens darf’s auch etwas Frischeres sein: der Prosatext «Afterdark» des japanischen Bestsellerautors Haruki Murakami, 2005 auf Deutsch erschienen und bereits ein Jahr später in...
