Schuld und Sühne
Orhan Pamuk war nicht da. Dabei hätte ihm das meiste von dem, was es hier zu bestaunen gab, sicher gefallen: diese nützlichen und weniger nützlichen objets trouvés, die Liebesgeschichten, die sich aus den Gegenständen herausschälten, der Nippeskram – er hätte all das sehr gut gebrauchen können für sein Istanbuler «Museum der Unschuld». Wobei das mit der Unschuld so eine Sache ist. Genau darum nämlich geht es nicht in «All the good» von Jan Lauwers, das dieser gemeinsam mit seiner Needcompany in die Maschinenhalle Zweckel hineinmontierte.
Es geht vielmehr um die existenzielle Frage, wie Schuld aus einer privilegierten Perspektive heraus entsteht. Und was die Kunst dazu zu sagen hat: politisch, ästhetisch. Und irgendwie auch postdramatisch-immersiv.
Lauwers’ Position (sie findet sich im Programmheft) ist eindeutig zweideutig: «Es ist eine Katastrophe, wenn Politik das Ziel von Kunst wird. Für mich muss Kunst eine dialektische Beziehung zur Kultur, zur Welt haben, in der sie produziert wird.» Kunst, wie es uns Großpapa Hegel ins Stammbuch schrieb, als «Darstellung der Welt». Aber eben mit anderen Mitteln. Diese Kunst kommt, kosmopolitisch und vielsprachig, durch die Hintertür des ...
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Theater heute Oktober 2019
Rubrik: Festivals, Seite 6
von Jürgen Otten
Am Ende liegt ein Mann in der Badewanne. Macbeth, der Machtmensch, der Karrierist, der über Leichen geht, ist tot. Der Kopf ist zur Seite gefallen, wobei er sich auf ein Handtuch stützt, das ihm kurz vorher sein einstiger Rivale Macduff vorsichtig um das Handgelenk gewickelt hatte. Geradezu fürsorglich und besorgt begleitet dieser ihn zur Wanne, in der sich Macbeth...
Kunst kann die Welt verändern. So die je nach Ansicht euphorische oder erschreckende Hypothese der jüngsten Schauspieluraufführung am Staatstheater Augsburg. In der schönen neuen Welt, wie sie der marxistische «FAZ»-Redakteur und notorische Vielschreiber Dietmar Dath in seinem neuen Stück «Die nötige Folter» skizziert, hat eine maliziös einprogrammierte Bildstörung...
Agathe zuckt schon ein wenig. Lasziv liegt die 16 Meter große schwarze Frau im gelben Kleid am Aasee in Münster und wartet, dass sie fertig aufgepumpt ist. Seufzend wälzt sie der Wind zur Seite. Gleich wird eine Sängerin ihr eine Stimme geben, dann ist die Erweckung von «Punch Agathe Münster Mash» für heute vollendet. Seit Jahren zieht die Stuttgarter Künstlerin...
