Die Schutzbefohlenen
Die Festung Europa bröckelt, aber sie hält stand. In Ungarn stehen Stacheldrahtzäune, Kroatien macht die Grenzen dicht, der Zugverkehr zwischen Wien und München ist immer wieder unterbrochen, und die deutschen Asylgesetze wurden ruckzuck verschärft. Elfriede Jelinek, die mit «Die Schutzbefohlenen» das europäische Drama beschrieben hat, bringt ihren Text mit einem «Appendix» auf den neuesten Stand. Der syrische Schauspieler und Theatermacher Ayham Majid Agha lebt in Berlin, spielt am Maxim Gorki Theater und hat einiges zu sagen über Assad, den Krieg und den IS: eine Begegnung.
Die Eroberung der Welt als Bild, das war einmal, denn Bild ist ja Herstellen. Die Menschen werden aber nicht hergestellt, und sie bleiben nicht, wo sie hingestellt werden. Sie kämpfen um ihre Stellung, das ist keine Stellung, so wie Sie sich das vorstellen, das ist einfach, wie sie sind. Sie haben es aufgegeben, dem Seienden ein Maß zu geben, denn das Maß ist noch nicht geschöpft, in das sie hineingehen. Sie gehen aber. Sie gehen weiter. Keine sonnengebräunten Wangen, aber wunde Herzen, tränenkundig, ja, weinen, das können sie. Sie müssen es können, alle außer Ärzten und Sehern, denen es schon vergangen ist, ...
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Theater heute November 2015
Rubrik: Festung Europa, Seite 36
von Elfriede Jelinek
Was hat Paul McCarthy nicht alles schon gefickt: Bäume, Vieh, Fässer, Augenhöhlen, Pinocchio, das weiße Kaninchen, Marilyn Monroe. Und was hat er in den letzten 45 Jahren nicht schon alles mit Ketchup, Senf, Schokolade und anderen Dickflüssigkeiten beschmiert: Arafat, Santa Claus, Nixon, Schoine Damen, Seemänner und vor allem sich selbst. Und jetzt also James Dean,...
Man kann Flüchtlingsgeschichten auch so erzählen. Nachdem ein Neugeborenes in einem Schnellrestaurant gefunden wurde, mutmaßen die Angestellten, wie das Baby dahin gekommen sein könnte. Wurde es von einer der Frauen zurückgelassen, die derzeit so massenhaft aus dem Osten nach Deutschland einwandern? Von einer Romni etwa? Wohl eher nicht. Die lieben ihre Kinder ja...
Hin und wieder kommt es vor, dass in alten Bibliotheken Partituren barocker Komponisten oder auf Dachböden Gemälde alter Meister gefunden werden. So etwas Ähnliches ist jetzt mit einem Stück des am 26. August 2005 verstorbenen Grazer Dramatikers Wolfgang Bauer geschehen. Bei den Vorbereitungen für eine Ausstellung über den steirischen Komponisten Franz Koringer...
