Wenn sich das Unsagbare verplappert
Der Frosch wartet auf eine Verabredung zum Quatschen. Der Eisbär kocht, und das Zebra denkt über die Innendekoration nach. Man könnte mal wieder streichen, «vielleicht in Gelb? Mal was anderes». Eine kleine Auffrischung würde dem Zimmerchen tatsächlich guttun mit seinem gerade so nicht mehr coolen, angebräunten 1950er Look samt Furnierholz und Pannesamtsofa. Während die Tiere in dieser Holzbox herumhängen, die sich nach zwei Seiten dem Publikum öffnet, nimmt eine kleine Klaviermelodie enthusiastisch Anlauf.
Doch ihr fröhlicher Auftakt wird eingeholt von einem E-Bass und verläuft sich im Ungefähren, im immergleichen Klimperloop. So dreht die Musik ihre Runden, und vier Gestalten mit Tiermasken gehen gedankenversunken ihren Alltagstätigkeiten nach, jede in ihrer Bl, Bll – aber nein, voll ausgesprochen wird das Wort «Blase» hier nicht. Aber wer sind die denn überhaupt? Und wo sind wir?
Die Regisseurinnen Susanne Zaun und Marion Schneider haben, das ist gewiss, ein neues Stück auf die Bühne des Frankfurter Künstlerhauses Mousonturm gebracht, «It’s not over until the fat lady sings oder Der Chor im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit». Gemeinsam mit zwei Chören aus jeweils ...
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Theater heute April 2018
Rubrik: Akteure, Seite 41
von Esther Boldt
In der Mitte des Films sagt einer der beiden immer wieder auftauchenden, stets zufrieden feixenden Herren im Anzug zum anderen: «Sie glauben, Sie können Vergangenheit so darstellen, wie sie wirklich war?» Der Angesprochene, gespielt vom ehemaligen Intendanten der Münchner Kammerspiele Johan Simons, trägt anlässlich eines Maskenballs kurz nach dem Zweiten Weltkrieg...
Dieser Blick, überlegen, lauernd, unheimlich – dass der Kerl im Seidenanzug beruflich irgendwas mit schwarzer Magie macht, glaubt man sofort. Tartini heißt der zwielichtige Zampano aus Thomas Arzts neuem Stück «Die Anschläge von nächster Woche». Dominik Lindhorst-Apfelthaler spielt ihn in der Heidelberger Uraufführung mit einer Spur von Wahnsinn in den immer etwas...
Der Mensch zählt ja offiziell zu den erdgeschichtlichen Katastrophen, seit 2016 das Anthropozän ausgerufen wurde. Wobei «Katastrophe» schon viel zu anthropozentrisch gedacht ist. Der Erde dürfte es wurscht sein, ob sie sich durch Meteoriteneinschläge, Eiszeiten oder eine Schicht aus Plastik, radioaktive Strahlung und Abgase so einschneidend verändert, dass es für...
