Auf der Castingallee nachts

Wie Gob Squad in Berlin René Pollesch vernaschte: «In diesem Kiez ist der Teufel eine Goldmine», Prater-Saga 3

Theater heute - Logo

Der sehr junge Mann in der zeltartigen Daunenjacke hat sofort einen kleinen Schwips.

Ob die Aussicht auf Ruhm und Glamour Schuld daran ist? Das bohemistische Flair der immer noch angesagten Kastanienallee im Hauptstadt-Bezirk Prenzlauer Berg, die Spötter bereits vor Jahren in Castingallee umgetauft haben? Oder liegt es doch nur am billigen Sekt, mit dem ihm die Frau im falschen Pelz nachts vor der Volksbühnen-Nebenspielstätte Prater zuprostet? 

Die Frau heißt Berit und hat ihm gerade vor laufender Videokamera eine unbestimmte Summe Geld versprochen, wenn er jetzt gleich in einem Theaterstück die Rolle des Bigman übernimmt. Bigman, das klingt okay! Der sehr junge Mann, der nach lässigem Bekunden «für Geld schon so ziemlich alles gemacht» hat, hält die spontane Schauspielerei offenbar für eine leichtere Übung. 

Was er hingegen noch nicht weiß, ihn aber vermutlich auch kaum interessiert, ist die Tatsache, dass der Autor und Regisseur René Pollesch das Stück geschrieben hat, in dem er gleich auftreten soll – und dass das Publikum jetzt schon per Video sieht, wie er dafür vom deutsch-britischen Performancekollektiv Gob Squad angeheuert wird. René Pollesch, leitender Platzhirsch der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2005
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Eva Behrendt

Vergriffen
Weitere Beiträge
«Jetzt soll er auch noch

Der Mann ist tot. Ganz überwiegend jedenfalls. Das Gesicht zerschunden, der Brustkorb starr, Arme und Beine regungslos, liegt er aufgebahrt im blendenden Weiß eines Krankenhauses. Trotzdem: Es gibt so Typen, die können ihre Klappe nicht halten. Und Jaecki Zucker zählt dazu. Da ist es auch egal, dass er tot ist – Zucker muss noch einiges loswerden. Vor allem über...

Die soziale Frage

Bewerben Sie sich alle drei Jahre bei einem anderen Unternehmen, auch wenn Sie keinen neuen Job suchen, empfiehlt der «Nr.1-Bestseller: Simplify your life», beworben von der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» und dem «Stern»: «Damit Sie, wenn Sie arbeitslos werden, nicht vor dem Nichts stehen.» Dabei steht man in so einem Fall gar nicht vor dem Nichts,...

Das abenteuerliche Herz

Eigentlich wollte Andrzej Stasiuk sein erstes Theaterstück seinen verstorbenen Großmüttern widmen. Beiden hat der polnische Schriftsteller viel zu verdanken: «Sie wunderten sich nicht. Die eine nahm die Gegenwart der Geister wie selbstverständlich, für die andere war es alltäglich, dass dieser oder jener sie erschießen wollte.» Auch Andrzej Stasiuk hatte daheim im...