Wiedergänger der westlichen Welt
Wer Ueli Jaeggis Arthur, dem «Friseur aus Europa», tief ins Gesicht blickt, weiß alles über die westliche Zivilisation: ein stolzer Jüngling von Mitte Sechzig mit elastischen Augenringen und zarten Tränensäcken, der leichten Röte von Bluthochdruck im Antlitz und den gründlich verlebten Zügen, die Jahrzehnte im mittleren Genussmittel-Wohlstand mit sich bringen. Nur die Zähne sind in noch erbarmungswürdigerem Zustand. Im Inselreich der Groß-Lulu ist die regelmäßige Dentalprophylaxe noch nicht angekommen.
Johann Nestroys «Häuptling Abendwind» qualmt nur so vor kolonialen Klischees. Zwei derb-gemütliche Wiener Biederbürger nebst familiärem Anhang sind ins Fantasy-Setting zweier «wilder» Südseeinseln verpflanzt, wo sie einem fröhlichen Kannibalismus frönen. Abendwind, der Sanfte, und sein Nachbar-Häuptling Biberhahn, der Heftige, von der Inselgruppe der Papatutu sind zum Diner verabredet und zu wichtigen politischen Gesprächen, zumal Biberhahns Archipel schon seit längerem von Europäern entdeckt wurde, was den Luluanern demnächst auch blühen könnte: «’S is a Volk, was eine schnoflete Sprach’ red’t und sich einbildt, an der Spitze der Zivilisation zu stehen – sie sind auch Erfinder der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute April 2019
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Franz Wille
Zu den unvergesslichen Momenten der diesjährigen Berlinale, Dieter Kosslicks letzter, gehörte die Pressekonferenz, die Angela Schanelec zu ihrem Wettbewerbsfilm «Ich war zu hause, aber ...» gab. Da saß diese fragile Person, Jahrgang 1962, zwischen ihren Schauspieler*innen und sagte mit mädchenhaft staunender Stimme Sätze wie: «Kann sich irgend jemand nicht für Esel...
«Bara» heißt im ivorischen Französisch einerseits «Arbeit», andererseits «Sex». Zumindest erklärt Franck Edmond Yao diese Doppelbedeutung in «Nana ou est-ce que tu connais le bara?», der Koproduktion von Monika Gintersdorfers europäisch-afrikanischer Performance-Gruppe La Fleur mit der Pariser Bühne MC93 (Maison de la Culture de Seine-Saint-Denis) und dem Theater...
Aachen, Grenzlandtheater
14. Vattrodt, Ein großer Aufbruch
R. Uwe Brandt
Annaberg-Buchholz, Theater
7. Lessing, Nathan der Weise
R. Dietrich Kunze
Basel, Theater
11. Lorca, Yerma
R. Mateja Koležnik
16. Projekt, Das Theater der Bilder (U)
R. Daniela Kranz (Eine Koproduktion mit dem Kunstmuseum Basel)
Bautzen, Theater
26. nach Aischylos, Die Orestie
R. Mario Holetzeck
2...
