Die innere Unsicherheit
Am Anfang glaubt man einfach nicht, dass Axel Prahl das alles schafft. Im Prinzip ist die Rolle des agilen Gebrauchtwagenhändlers Bernd Willenbrock für den Schauspieler kein Problem – Prahls Spezialität sind schließlich kleinbürgerliche Milieugestalten wie ostdeutsche Imbissbetreiber oder westfälische «Tatort»-Kommissare. Schwieriger wird es mit Willenbrocks umfangreichem, vorzugsweise unter intellektuellen Frauen wilderndem Privatleben.
Schafft Axel Prahl es, dessen Ehe mit der verhinderten Künstlerin Susanne, die Bettbeziehung mit der Gesine-Schwan-haften Professorin Vera und eine Affaire mit der attraktiven Studentin Anna bei sexueller Hyperaktivität auf allen Parcours halbwegs glaubhaft zu, nun ja, verkörpern?
Auch der diesjährigen Berlinale traute man zunächst nicht zu, dass sie sich von den ersten Auftaktflops erholen würde. Doch während Axel Prahl und seine Mitspielerinnen nach einem hölzernen Einstieg in Andreas Dresens Romanverfilmung «Willenbrock» ein eher konventionelles Format zu einem mitreißenden Mentalitätsthriller emporspielen, pegelte sich das größte deutsche Filmfestival mit wenigen Ausnahmen nur knapp oberhalb des Nicht-so-Dollen ein. Was für manchen deutschen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es gibt natürlich eine Webseite. Auf www.die-leiden-des-jungen-werther.de kann man sich die Briefe des längst tot Geglaubten als Mail schicken lassen, täglich oder – zur Wahrung des Zeitgefühls – den datierten Abständen folgend. Ein Hauch von «norway.today» durchweht den Klassiker. Man kann auch Seiten suchen, die Werther und Kurt Cobain in einen Zusammenhang...
Die Wüste – alle wollen hin, keiner will dort leben. Der ideale Ort des Tourismus, das Gegenbild unserer Bedürfnisbefriedigungswelt und Erlebnisgesellschaft, das wir brauchen um zu wissen, was Bedürfnis und Erlebnis eigentlich sind. Die Wüste – wo sonst keiner leben will, wollen gerade die leben, die auf alles verzichten wollen. Der ideale Ort der Heiligen. Fern...
Im Tagebuch vom Dezember 1985 notiert Andrej Tarkowski – exakt ein Jahr vor seinem Tod –, dass er für eine Vorlesung in Stockholm vier Illustrationen von Filmszenen benötige: Buñuels «Los Olvidados» – der Traum mit dem Fleisch; Bergmans «Wilde Erdbeeren» – der Traum mit dem Sarg auf der Waldlichtung; Fellinis «Achteinhalb» – der freudianische Anfang im Tunnel;...
