Das abenteuerliche Herz

Das Düsseldorfer Schauspielhaus hat eine Uraufführungsserie ins Leben gerufen, die von bekannten Schriftstellern aus den neuen europäischen Ländern bestückt wird. Mit der slawo-germanisch medizinischen Tragikfarce «Nacht»/«Noc» macht der polnische Autor Andrzej Stasiuk den Anfang; Mikolaj Grabowski vom Stary Teatr Krakow inszeniert in Düsseldorf.

Theater heute - Logo

Eigentlich wollte Andrzej Stasiuk sein erstes Theaterstück seinen verstorbenen Großmüttern widmen. Beiden hat der polnische Schriftsteller viel zu verdanken: «Sie wunderten sich nicht. Die eine nahm die Gegenwart der Geister wie selbstverständlich, für die andere war es alltäglich, dass dieser oder jener sie erschießen wollte.» Auch Andrzej Stasiuk hatte daheim im südöstlichen Polen, nahe der ukrainischen und slowakischen Grenze, Geister reden gehört, als er «Nacht» (polnisch: «Noc») zu schreiben begann.

Singende, klingende, zu rauschenden Chören anschwellende Stimmen aus dem Nichts, die ihm das Stück in die Feder diktierten. 

So will es die Legende oder vielmehr Stasiuk selbst, der an diesem Januarnachmittag vor der Premiere zusammen mit seiner Frau, der Verlegerin Monika Sznajderman, im Büro der Intendantin des Düsseldorfer Schauspielhauses sitzt. Anna Badora selbst hat die Geister gerufen und die Uraufführungsserie «Das neue Europa» initiiert, um nicht nur die neuen Nachbarn an den deutschen Tisch zu bitten, sondern auch, um schonungslos gegenseitige Vorurteile auf denselben zu packen. Ein kathartisches «Theater des Hasses» hatte die gebürtige Polin sich als Arbeitstitel notiert ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2005
Rubrik: Das Stück, Seite 46
von Eva Behrendt

Vergriffen
Weitere Beiträge
Zeit und Gedanken

Wumm wumm, der Wind macht seine Brust weit.» Wahrlich, er ist auch reich an albernen Obertönen – dieser Prototext der deutschen literarischen Moderne. Er kreischt und murmelt und grollt wie die Großstadt, die er so gierig eingesogen hat: «Rumm rumm wuchtet vor Aschinger auf dem Alex die Dampframme.» Und doch ist nirgendwo sonst der Groove der Roaring Twenties...

Schimpfkanonade und Sprachblockade

Thomas Bernhard und Nürnberg – damit könnte man es sich sehr einfach machen: «… wie dieser schreckliche Ur- und Vor-Nazi Dürer», heißt es an einer Stelle in den «Alten Meistern», «der die Natur an die Leinwand gestellt und getötet hat, dieser schauerliche Dürer, wie Reger sehr oft sagt, weil er Dürer tatsächlich zutiefst hasst, diesen Nürnberger Ziselierkünstler.»

...

Der radiophone Nachdenker

Seine Stücke handeln von Tanz- und Truppenbewegungen, sein Personal nennt sich «Sweethearts of Rhythm», «Golfkrieg Girls & Boys» oder «Die Einzigen Zeugen», und seine Hörspiele heißen «Schrei (wenn du kannst)», «ich auf der tretmine» oder «die Idee der Strafe». Der 1963 geborene Frankfurter Autor und Musiker Albrecht Kunze arbeitet an der Demarkationslinie von...