Verstören, beschimpfen, umarmen
Trendbewusste Theatermacher pflegen zurzeit ja eher ein angespanntes Verhältnis zu ihrem Publikum. Abende, an denen Kulturaktivisten (wie neulich das Zentrum für politische Schönheit in Dortmund) exklusiv das Auditorium herunterputzen, weil es sich lieber in Yogastudios herumtreibe statt in Damaskus gleichermaßen aktiv gegen den IS und den syrischen Diktator Assad zu kämpfen, sind augenscheinlich im Kommen.
Am Staatsschauspiel Dresden segelt der Dramatiker Martin Heckmanns dieser Publikumsbeschimpfungs-Retro-Welle mit einer denkbar stromlinienunförmigen Parkett-Umarmungsoffensive entgegen. Statt als «abwärts schauenden Hund» auf der Yogamatte stellt sich Heckmanns den gemeinen Zuschauer als intellektuelle wie emotionale Rezeptionshöchstbegabung vor, an der das Theater lauter löbliche Dinge bewirkt und der den Publikumsbeschimpfungsreanimateuren mit schlichter Hermeneutik den Wind aus den Segeln nimmt. «Ich verstehe ja, dass dieses Theater uns verstören will, das ist seine Aufgabe», analysiert zu vorgerückter Stunde eine Dame im feschen Schwarzen ohne jede Pulsbeschleunigung. «Und dass ich schlussendlich auch noch dafür beschimpft werde ..., weil ich hier zuschaue und tatenlos ...
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Theater heute November 2015
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Christine Wahl
In Hamburg scheint an diesem späten Freitagnachmittag die Sonne. Vor dem Hauptbahnhof steht ein langgestrecktes weißes Zelt, davor ein Schild: «Wir nehmen KEINE Kleiderspenden entgegen.» Fröhliche junge Frauen in gelben Helferwesten machen Quatsch mit fröhlichen kleinen Kindern von dunkler Hautfarbe. Junge Männer tigern rauchend auf und ab. Von der Bank auf dem...
Ein Text für ca. zwei DarstellerInnen
oder eine hochgradig gespaltene Persönlichkeit.
Person 1 (große Person)
Person 2 (kleine Person)
Kann beliebig auf viele große und kleine Personen ausgeweitet werden.
Previously on «Der manische Jugendchor»:
Damals, vor –
sagen wir –
einigen Jahren.
War ich jung.
Und
unendlich
durchschnittlich in meinem...
Hin und wieder kommt es vor, dass in alten Bibliotheken Partituren barocker Komponisten oder auf Dachböden Gemälde alter Meister gefunden werden. So etwas Ähnliches ist jetzt mit einem Stück des am 26. August 2005 verstorbenen Grazer Dramatikers Wolfgang Bauer geschehen. Bei den Vorbereitungen für eine Ausstellung über den steirischen Komponisten Franz Koringer...
