Tot oder lebenssteigernd?
«Pop ist tot», proklamierte Bernadette La Hengsts Diskursrockband Die Braut haut ins Auge 1998, «die Leiche ist noch warm und das Messer rot.» Worauf sich die Band folgerichtig auflöste; La Hengst zog von Hamburg nach Berlin und startete nicht ohne Erfolg eine zweite Karriere als Theaterregisseurin. Der Pop also ist Geschichte (obwohl La Hengst bis heute Musik veröffentlicht, mit überschaubarer Resonanz, aber immerhin), und was Geschichte ist, das kann auch historisiert werden.
Wobei der Sammelband «Popgeschichte» von Alexa Geisthövel und Bodo Mrozek nicht primär eine Geschichte des Pop nachzeichnen möchte (auch wenn das im konventionellen, aber stimmigen zweiten Band «Zeithistorische Fallstudien 1958–1988» durchaus vorkommt), sondern als historische Narrationspraxis. Gerade im ersten Band «Konzepte und Methoden» schaffen es Geisthövel und Mrozek, Medizinhistorikerin an der Charité die eine, Geschichtsdoktorand an der FU Berlin der andere, Geschichte neu zu systematisieren: als Cultural Studies, Gendertheorie, Technikgeschichte auf der Folie des Pop.
Allerdings sagen die beteiligten Autoren zumeist zwar Pop, meinen in Wahrheit aber Popmusik, was den Fokus von «Popgeschichte» ohne ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2015
Rubrik: Bücher, Seite 61
von Falk Schreiber
Die Bühne ist ein Dach. Es schaukelt ruhig vor sich hin, schwebt noch oben und nach unten, und manchmal neigt es sich auch gefährlich nach vorne. Dann verlieren die Figuren in ihren cremeweißen Rüschen- und Spitzenkleidern beinahe den Halt und klammern sich an den Stühlen oder der Chaiselongue fest, die Bühnenbilder Harald B. Thor auf das Bretterdach genagelt hat....
Wer in Konversationsstücken unverhofft an fremden Wohnungstüren klingelt, trägt in seinem Psychoköfferchen nichts Gutes bei sich. Auch Roland Schimmelpfennig tut uns den Gefallen, von dieser dramatischen Reißbrettregel keinen Millimeter abzuweichen. In Schimmelpfennigs Weihnachtsgeschichte «Wintersonnenwende» kommt effektverstärkend hinzu, dass der Klingler sich...
Bücher zur Theorie des Theaters und des Films – in der Regel sind es Dissertationen oder Referate von wissenschaftlichen Symposien und Akademiedebatten – werden in beträchtlicher Zahl noch immer gedruckt, weil dafür Stipendien, Fördergelder oder sonstige Druckzuschüsse bereitgestellt werden. Monografische Darstellungen und gut dokumentierte, illustrierte Biografien...
