Höllentour zurück aufs Sofa
«In der Sonne Italiens werde ich die theoretische Unannehmbarkeit der Existenz vielleicht vergessen.» Mit existenzialistischer Emphase verlässt der Abiturient Gert seine kriegsverwitwete Mutter im Trümmerdeutschland anno 1948. Ins Schlepptau nimmt er seinen Gesinnungs-kameraden und Nietzsche-Leser Foss sowie zwei ebenso dekorative wie selbstfindungsförderliche Mädel: Adi, ein materialistisches Luxusmäuschen, und die naiv religiöse Creszenz. Weit aber kommt diese Expedition nicht.
Denn Ferdinand Bruckners Bühnenrarität «Früchte des Nichts» (1951), die den Zyklus «Jugend zweier Kriege» beschließt, ist zwar auf eine Bildungsparabel angelegt (Italien!), sucht diese aber vor der eigenen Haustür. Gert bringt einen Chauffeur um und scheitert am Versuch, diese Tat als existenzialistischen Erweckungsakt zu fassen. In Creszenz’ Gläubigkeit findet er bald Ansätze zu einem positiven, verantwortungsbetonten Lebensbegriff, der ihn schließlich zur Mutter und – halb resigniert, halb frischen Muts – in den Schoß der Justiz zurückführt. Einverständnis mit der aufbaubereiten Nachkriegsgesellschaft wird Programm.
Sebastian Schug, eine der neuen Regiehoffnungen (Jahrgang 1979), legt den zentralen ...
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Wie soll man ein halbes Jahr nach Jürgen Goschs schwer zu übertreffenden, tieftraurigen, elend komischen, gnadenlos genauen «Onkel Wanja» am Deutschen Theater in Berlin dieses Stück inszenieren? Vielleicht so, wie Andreas Kriegenburg es in Hamburg tut: als ein schwebendes, trübsalfreies Clownsspiel liebevoll beobachteter Menschlein, die tapfer anspielen gegen die...
Dem Wiener wird ein gewisser Hang zur Todessehnsucht nachgesagt. Wie zur Bestätigung dieses Klischees wurden gegen Ende der Spielzeit an zwei Wiener Bühnen Auftragswerke uraufgeführt, die vom Tod handeln, sich davon aber nicht die gute Laune verderben lassen.
Der 1990 nach Wien emigrierte Bulgare Dimitré Dinev, der auf Deutsch schreibt und inzwischen...
Die Finnlandisierung der Welt macht bei Kaurismäki auch vor dem Vereinigten Königreich nicht halt – sein London könnte auch Helsinki sein. Für «I Hired a Contract Killer» hatte der Regisseur 1990, im letzten Herrschafts-jahr der Misses Thatcher, den Kanal überquert – das feuchte England und der trockene britische Humor sind seinem Wesen irgendwie verwandt.
Nachdem...
