Bonn: Kunstkampflust

Anja Hilling «Massiver Kuss» (U)

Theater heute - Logo

Künstlerpaare regen die Fantasie an. Besonders mythenumflort ist die Beziehung zwischen Camille Claudel und Auguste Rodin, denn sie kündet von Leidenschaft und Tragik zugleich. Be­sessen von der Bildhauerei, stachelten sie sich gegenseitig zu Höchstleistungen an und revolutionierten das Kunstverständnis ihrer Zeit. Bekanntlich ging die Geschichte nur für ihn gut aus: Nach der Trennung von Rodin schuf Claudel zwar großartige Kunstwerke, starb jedoch vergessen und verarmt in der Irrenanstalt, er hingegen wurde als ruhmreicher Künstler bereits zu Lebzeiten gefeiert.

Zu den zahlreichen filmischen und literarischen Bearbeitungen dieses Stoffes gesellt sich nun eine dramatische. In einem verschlungenen Sprachspiel verhandelt Anja Hilling chronologisch die Liebes- und Leidensgeschichte der beiden Ausnahmetalente: Von der ersten Begegnung der neunzehnjährigen Claudel mit dem über zwanzig Jahre älteren Rodin in seinem Atelier, über die intensiven gemeinsamen Schaffensphasen bis hin zu Claudels letzten Jahren in der Anstalt. Dabei identifiziert sich Hilling eindeutig mit Claudel und befragt über sie auch die Position der Künstlerin in der heutigen Zeit. Ein Brückenschlag, der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2016
Rubrik: Chronik, Seite 62
von

Weitere Beiträge
Impressum

Theater Heute

Die Theaterzeitschrift
im 57. Jahrgang
Gegründet von
Erhard Friedrich und Henning Rischbieter

Herausgeber
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
Redaktion
Eva Behrendt
Barbara Burckhardt
Franz Wille (V.i.S.d.P.)
Redaktionsbüro
Martin Kraemer
Gestaltung
Christian Henjes
Designkonzept
Ludwig Wendt Art Direction
Redaktionsanschrift
Nestorstr. 8–9, 10709...

Das erschütterte Ich

Schreiben kann eine sehr lebendige Praxis sein, sich dem Leben zu entziehen. Wer schreibt, verpulvert kein Geld und vertickt keine Bibliothek, beschimpft niemanden, ist nicht im Bett mit Madonna oder anderen Frauen, reist nicht getrieben durchs Land, kassiert kein Hausverbot, auch wenn all das beim Schreiben sehr intensiv vorgestellt, gefühlt und eben...

Opa erzählt vom Krieg

Man könnte es sich leicht machen. Man könnte konstatieren, dass die Berliner Volksbühne mit Frank Raddatz' «Republik Castorf» im Zustand fortgeschrittener Sentimentalisierung angekommen sei. Und, ja, natürlich ist das sentimental: ein Interviewband, bestehend aus 18 selten analytischen, oft plaudernden, immer affirmativen Gesprächen mit einst und heute...