Hair Metal
Ein Geschenk. Florian Etti hat die Bühne des Braunschweiger Staatstheaters als Geburts–tagspäckchen verpackt, mit rosalieblichen Streifen und abgerundeten Ecken, an denen sich trefflich abrutschen lässt, wenn sich jemand in rebellischer Wut gegen die Wände wirft. Das Bühnenbild mag zwar süßlich aussehen, aber man braucht sich nichts vorzumachen: Man sieht diese Geschenkverpackung von innen. Und von innen ist es einerlei, ob man sich im Käfig befindet, in der Großfamilie oder im Geschenkpaket – man kommt nicht raus.
Anna Bergmann hat Tennessee Williams’ «Katze auf dem heißen Blechdach» in eine konsequent künstliche Welt verfrachtet. Alles ist hier süß, dumpf und glatt, und wenn mal ein körperliches Begehren an die Oberfläche drängt, dann in Gewaltform. Oder aber sublimiert: als Kumpelhomoerotik beim Football, als Reproduktionswahn, als cleaner Cheerleadersex. In einer anrührenden Videosequenz (Uli Plank) sehen wir kurze Moment–aufnahmen aus dem Ehealltag von Maggie (mit der patenten Erotik der Provinzschönheit: Theresa Langer) und Brick (stumpf dämmernd: Hanno Koffler): körperliche Nähe, die erst vom Prügeln abgelöst wird, dann von Tränen, dann vom Alkohol, in jeder Hinsicht eine ...
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Theater heute Juni 2012
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Falk Schreiber
Als im Sommer 2009 das Foto eines erstaunlich gut erhaltenen Bugatti Brescia Typ 22 Roadster, Baujahr 1925, um die Welt ging, setzte das die Fantasie in Gang. Dass da eines der schönsten Automobile, die jemals gebaut worden waren, über siebzig Jahre lang auf dem Grund des Lago Maggiore gelegen hatte, konserviert von den Schichten aus Schlamm und Schlick wie die...
Ute hat einen Fotografen, tuschelten die Theaterwissenschaftler im Kölner Hörsaal 7. Der macht Bilder für «Theater heute»! Dann kam er, ein eher kleiner Mensch, mit dicker Brille und hübschem Gesicht und klugen Augen. Er war Student der Literaturwissenschaft und promovierte über Brecht. Theaterfotografien machte er so nebenbei, wie später bei seinen zahlreichen...
How does it feel, when life doesn’t seem real»: Wie fühlst du dich, wenn das Leben nicht echt scheint? Das singt Graham Nash 1971, zwei Jahre nach Woodstock und ein Jahr nach der ersten Auflösung der Folk-Supergruppe Crosby, Stills, Nash and Young. Nash, einziger Europäer des Quartetts, weiß, was gegen Gefühle der Entfremdung zu tun ist. Wie man sich schützt vor...
