Leipzig: Der Teufel sind die anderen
Von Sorge zu Sorge spannt sich dieses Faustens Lebensbogen, spannt sich dieser sechsstündige Leipziger Erlebnisabend, der mit «Faust II» anhebt, den «Faust I» durchreist, ein poetologisches Puppenspiel zur Erklärung von Goethes Hauptwerk einschaltet, bald das Publikum entlang von «Faust»-Motiven auf Erkundungstouren durch die Stadt schickt, um gegen Mitternacht auf der großen Schauspielbühne zu «Faust II» rückkehrend zu enden.
Auch sechs Stunden Eventtheater sind nicht viel für die faustischen Erdentage, deren Spur bekanntlich in Äonen nicht untergeht.
Und also steckt Enrico Lübbe den Protagonisten in Siebenmeilenstiefel. Taumelnd auf einer riesigen Drehscheibe zu düsteren Atmosphären trifft der Faust von Wenzel Banneyer bereits im Intro binnen weniger Verse auf die Flugübungen des Euphorion (in Kinderstimmen gekleidet), auf die Klagen von Philemon und Baucis, schließlich auf die Allegorien von Mangel, Not, Schuld und eben: die Sorge.
Der starke Akzent auf der Sorge wirkt zunächst sinnfällig, scheint an neueste «Faust»-Deutungen anzuschließen. Im Auftritt der mit Heidegger gesprochen «existenzialen» Sorge manifestiert sich die grundlegend offene Disposition des modernen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2018
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Christian Rakow
Eva Behrendt Lassen Sie uns über die Möglichkeiten von Autorschaft als Schauspielerin sprechen! Als Sie Anfang der 1990er Jahre nach Berlin an die Ernst Busch Hochschule kamen – war damals davon schon die Rede?
Ursina Lardi Nein, in der Ausbildung war das kein Thema, und auch ich habe mir erst später Gedanken darüber gemacht. Vielleicht sprechen wir lieber gleich...
Und dann sagt doch nach zehn Stunden tatsächlich einer: «Ich könnte jetzt noch endlos hier sitzen ...» Unersättlich oder wahnsinnig, fanatisch oder gelähmt, fasziniert oder geblendet? Auf jeden Fall: Es ist gewöhnungsbedürftig, sich an einem Sonntag mittags ins Theater zu begeben, das man erst gegen Mitternacht wieder verlassen wird. Wir leben nicht mehr im alten...
«Bierjunge!», ruft Jannik Hinsch alias Diederich Heßling seinem Gegenspieler, dem liberalen Anwalt Buck entgegen, der eben dem Publikum erklärt, dass Heßling als Untertan «der Typus seiner Zeit» sei. «Hängt!», brüllt es aus der letzten Publikumsreihe zurück. Hinsch und Lukas Rüppel, der als Buck davon träumt, Schauspieler in Berlin zu sein und dafür am liebsten in...
