Reise in die wahre Kälte
Endlich mal wieder Theater mit Vorhang. Und hier geht er nicht nur einmal auf, sondern acht-, neun-, zehnmal, allein in der ersten halben Stunde. Jedesmal eröffnet sich dahinter eine neue Welt, ohne dass ein Wort gesprochen wird. Elfriede Jelineks Textkaskaden als stumme Tableaux vivants – das könnte man für bloßen Regie-Innovationszwang halten. Ist es aber nicht. Was Simon und seinem Spielquartett plus zwanzigköpfiger Statisterie im ersten Drittel der als Triptychon angelegten Aufführung gelingt, ist eine sogkräftige Bilderreise ins Herz der Finsternis dieses Textes.
Die von Simon auch ausgestattete Inszenierung beginnt mit beschwörend raunendem Gesang im Dunkel. Rechts vor der Bühne steht Nina Wurman, die den Bilderreigen mit ihrem Kontrabass begleitet (und dabei von Arvo-Pärt-Elegie bis zum hornissenbrummenden mehrstimmigen Staccato alle erdenklichen Soundeffekte ausreizt). Der Vorhang öffnet sich zum ersten Mal, im nebeldurchzogenen Licht steht eine Schar unheimlicher Hybridwesen: Tierköpfe auf Menschenkörpern. Regungslos, minutenlang. Ein Einstieg, der mit bedrohlicher Ruhe alle Erwartungen wegräumt, die an einem Jelinek-Abend so im Parkett schweben könnten.
Jelinek ohne ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juni 2011
Rubrik: Aufführungen, Seite 36
von Andreas Jüttner
Sachen, Maschinen und Parteien gibts, für die werden einfach keine Theaterstücke geschrieben. Ausnahmen bestätigen die Regel: Der Regisseur Philippe Quesne hat der bislang sträflich im Hintergrund belassenen «Technik» ein höchst klangvolles «Pièce pour la technique du Schauspiel de Hanovre» geschrieben. Eine Amour fou zwischen Drehbühne und Schnürboden? Aufstieg...
Se souvenir, drôle d’idée», sagt der Ingenieur am Schluss: Sich erinnern, was für ein sonderbarer Gedanke. Am 17. August 1893 haben in den Salinen von Aigues-Mortes in Südfrankreich eine Meute von Franzosen acht Italiener gelyncht. Es war vieles zusammengekommen, harte Arbeitsbedingungen, denen sich die italienischen Reisbauern besser anpassten als die...
Aalen, Theater der Stadt
Kasse: 073 61/52 26 00
4. Aristophanes, Lysistrata
R. Sebastian Schachtschneider
30. Schiller, Turandot
R. Ingmar Otto
Anklam, Landesbühne
Kasse: 039 71/20 89 25
23. Bordel, Vineta – Rückkehr der Träumer
R. Wolfgang Bordel
Augsburg, Theater
Kasse: 08 21/324 49 00
25. Weiß, Die Abseitsfalle (U)
R. Marcel Keller
...
