Simone Müller (Krönchen) und Ensemble; Foto: Luca Abbientol/Theater Weimar

Weimar: Unser Dorf hat Zukunft

Juli Zeh «Unterleuten» (U)

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Das zeitgenössische Dorf hat es nicht leicht auf dem deutschsprachigen Theater, wenn es denn überhaupt mal zu Worte kommt. Entweder erweist es sich als utopieresistent und dem gesellschaftlichen Fortschritt entgegenstehend, wie in den sozialistisch-realistischen Bestandsaufnahmen von Heiner Müller und Co., oder es erscheint als depperter, kleinbürgerlicher Sündenpfuhl wie bei Franz Xaver Kroetz und Geistesverwandten.

Juli Zeh kreuzt in ihrem Erfolgsroman «Unterleuten» gewissermaßen beide Linien und reichert sie an um eine Bestandsaufnahme zum bundesrepublikanischen Geisteszustand im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts. 

Auf über 600 Seiten erzählt sie vom fiktiven Dorf Unterleuten, irgendwo im Brandenburgischen. Nachwendeverletzungen treffen auf Neubürger aus Berlin, und natürlich darf auch ein westdeutscher Investor nicht fehlen. Lakonisch und den Zufall vor die Verschwörung stellend, erzählt Zeh multiperspektivisch von den Entwicklungen im Dorf, als die Windkraftfirma Vento-Direct den Plan vorstellt, auf zehn Hektar einen Windkraftpark zu errichten. Diese Ankündigung setzt ein komplexes Spiel von Intrigen und Machtspielchen in Gang, die das Dorf zerwühlen wie ein ...

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Theater heute Januar 2018
Rubrik: Chronik, Seite 68
von Torben Ibs

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