Familiennachzug
Zu Beginn der 1950er Jahre hatte der Zweite Weltkrieg Migrationswellen aus Osteuropa und der UdSSR in Richtung Deutschland gespült. Sie waren im gerade erwachenden Wirtschaftswunderland alles andere als gerne gesehen. Wer Flüchtling war, wurde ausgegrenzt. In einer immer schon migrantisch geprägten Weltmetropole wie New York hätte das, als zur gleichen Zeit durch den Zweiten Weltkrieg entwurzelte Osteuropäer im Land ihrer Träume anlandeten, anders aussehen können. Interessanterweise reagierte der Alteingesessene aber auch dort xenophob.
Das legt Arthur Millers «Blick von der Brücke» aus dem Jahr 1956 nahe.
Damals wie heute geht es um diffuse Ängste, der Neuankömmling könnte was vom bescheidenen Wohlstand des Pegidamenschen mit AfD-Anschluss abhaben wollen. Millers Prachtexemplar eines fremdenfeindlichen Heuchlers heißt Eddie. Er tut so, als gewähre er zwei Flüchtlingen aus dem größeren Familienkreis Unterkunft und Schutz. Die beiden sind illegal im Land, was alleine schon Eddies Unmut weckt. Und dann entspinnt sich zwischen einem von ihnen und Eddies Ziehtochter auch noch eine zarte Liebe. Das geht zu weit: Eddie denunziert den Eindringling, gibt aber vor, es ginge ihm um das Wohl ...
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Theater heute Dezember 2015
Rubrik: Chronik, Seite 69
von Jürgen Berger
Ein grob gezimmerter riesiger Schrank, in dem Gurte hängen, davor ein Haufen gefüllter Jutesäcke. Dieses Ensemble steht im Zentrum der Düsseldorfer Ausstellung «Der ewige Wanderer – Tadeusz Kantor in Deutschland». Es ist die Rekonstruktion des Bühnenbilds des Spektakels «Der Schrank», das Tadeusz Kantor im Jahre 1966 am Stadttheater Baden-Baden realisierte – zehn...
Wer hätte gedacht, dass der legendäre Österreich-Hasser Thomas Bernhard einmal folgenden Satz geschrieben hat: «Mehr denn je ist heute das Brauchtum in unserem schönen Lande notwendig.» Oder diesen: «Solange der Bauer sät und die Bäuerinnen die Kinder einwiegen vor der Nacht mit guten Weisen, solang braucht uns nicht bange zu sein um die Welt.» Das erste Zitat...
Die Bühne ist ein Dach. Es schaukelt ruhig vor sich hin, schwebt noch oben und nach unten, und manchmal neigt es sich auch gefährlich nach vorne. Dann verlieren die Figuren in ihren cremeweißen Rüschen- und Spitzenkleidern beinahe den Halt und klammern sich an den Stühlen oder der Chaiselongue fest, die Bühnenbilder Harald B. Thor auf das Bretterdach genagelt hat....
