Basler Dramaturgien
Das Schauspiel war in der Ära von Georges Delnon die drittwichtigste Sparte am Theater Basel. Der Intendant gab Publikum und Belegschaft neun Jahre Zeit, sich an diesen Gedanken zu gewöhnen. Man gewöhnte sich aber schlecht daran. Ein Dreispartenhaus, dazu das größte der Schweiz, dessen Schauspiel zur deutschsprachigen Bühnenkunst wenig Bedeutendes beizutragen hat, das von neuesten Entwicklungen praktisch zwangsabgekoppelt wird, das widerspricht der Tradition in Basel.
Nicht zufällig beschwört Neu-Intendant Andreas Beck, der im Oktober startet, den Systemwechsel, indem er bei jeder Gelegenheit von einer neuen «Basler Dramaturgie» spricht. Der Begriff beschwört einen Mythos: die Kooperation von Dürrenmatt und Düggelin 1968/69, die zwar jäh und im Streit endete. Aber heute verklären die Basler diese kurzlebige Arbeitssymbiose zwischen Theaterautor und Theaterchef zur Ära eines Dreamteams, an dem man sich messen muss. Beck nimmt die Herausforderung an, Delnon hat sie nie gesucht.
Verpuffte Energien
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Theater heute August/September 2015
Rubrik: Bilanz Basel, Seite 11
von Stephan Reuter
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