Die Geister unserer Vormieter
Am Anfang wird ein Kinderwagen auf die Bühne geschoben. Am Ende wird eine Tote von der Bühne getragen. Dazwischen liegt ein neues Stück von Jon Fosse, das auch «Das Leben in neunzig Minuten (leicht gekürzt)» heißen könnte. Die Handlung von «Schlaf» ist schnell erzählt: Ein junges Paar bezieht eine Wohnung, in der es Kinder großzieht, alt wird und schließlich stirbt. In die frei gewordene Wohnung zieht wieder ein junges Paar ein, das keine Kinder bekommt; sie trennen sich, der Mann bleibt allein in der Wohnung zurück.
Das ungefähr dreißigste Drama des norwegischen Bühnenminimalisten bezieht seine Spannung aus einer Zeitverschiebung: Die beiden Handlungen finden nicht hintereinander, sondern gleichzeitig statt. Zwei denkbar unspektakuläre Lebensgeschichten werden übereinander gelegt, wodurch sich doch noch szenische Reibeflächen und interessante Situationen ergeben. Das Stück beginnt also damit, dass zwei junge Paare, ohne einander wahrzunehmen, ein und dieselbe Wohnung beziehen. Das eine Paar wirkt harmonisch, das andere macht einen für diese frühe Phase der Beziehung bedenklich genervten Eindruck. Beide Männer überraschen ihre Frauen mit einem Kinderwagen, den sie als Mitbringsel ...
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