Alles neu macht der Mai

Politisch, weiblich, jung - die Theatertreffen-Auswahl 2015

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Der Blick auf die Auswahl zum diesjährigen Theatertreffen in Berlin (1.–17. Mai) wurde ein wenig verstellt: Zwei Tage vor der Vorstellung der zehn «bemerkenswerten» Inszenierungen der Saison hatte das Münchner Residenztheater gemeldet, dass der Suhrkamp-Verlag ein Verbot der Castorfschen «Baal»-Inszenierung beantragt habe – wegen der offenbar völlig unvermuteten Verwendung von Fremdtexten im heiligen Brecht-Kontext.

Die Theatertreffen-Einladung wirkte so wie eine Reaktion der siebenköpfigen Jury auf diesen neuerlichen Versuch der Brecht-Erben, das noch bis 2027 urheberrechtsgeschützte Werk in utopischer Reinheit zu erhalten.

Dabei fügt sich die Castorf-Einladung auch ohne jede Trotzreaktion sehr schlüssig ins Tableau der zehn Einladungen, das in Zeiten der globalen Konflikte einen deutlichen Akzent auf die Rückkehr der Bühnen zu politischen Fragen legt. Nicht nur Castorf schließt den Baal-Exzess mit «Apocalypse Now» und den Indochina-Kriegen kurz, auch Wolfram Lotz bezieht sich in seiner absurden Neokolonialismus-Farce «Die lächerliche Finsternis» auf Coppolas Film, ein Soldatenstück, von Dušan David Parízek am Wiener Akademietheater ausschließlich mit Frauen besetzt. Nicolas ...

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Theater heute März 2015
Rubrik: Berliner Theatertreffen, Seite 71
von Barbara Burckhardt

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