Uneingelöstes Versprechen
Mit «Three Kingdoms», dem trilateral koproduzierten kriminalistischen Parforceritt durch ein unübersichtliches, von Zukunftsängsten und -ambitionen geschütteltes Europa (Autor Simon Stephens wurde dafür gerade zum fremdsprachigen Dramatiker des Jahres gewählt), setzte Sebastian Nübling letzten Herbst an den Münchner Kammerspielen Maßstäbe für ein durchtrainiertes, polyglottes Theater am Puls der Zeit mit estnischen, englischen und deutschen Akteuren.
Ein Jahr später am selben Ort reanimiert er ein im Vergleich dazu geradezu traditionelles Stück, Tennessee Williams’ «Orpheus steigt herab» aus dem Jahr 1955, eine melancholische Provinztragödie vor dem Hintergrund der Rassendiskriminierung in den USA. Geblieben ist die Fragestellung: «Wie geht das: Zusammenleben?», neu für eine deutsche Stadttheaterproduktion: Der Hauptdarsteller kommt aus Estland.
Gefährlicher als die wildeste Wildnis ist mitunter das mit Ressentiments verminte Terrain einer Kleinstadt. Engstirnigkeit und Gemeinheit kennen keine Grenzen und bestehen doch vor allem darin, ständig welche zu setzen – aus Angst, dass die eigene Borniertheit womöglich allzu offensichtlich werden könnte.
Gesellschaft versus Individuum
«Ich ...
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Theater heute November 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 34
von Silvia Stammen
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Es sind ein Leben und drei Zeitalter, auf die Sibylle Bergs Roman «Vielen Dank für das Leben» einen gnadenlosen Blick wirft: die sozialistische 60er-Jahre-DDR, in der Toto geboren wird und aufwächst, die spätkapitalistische gesamtdeutsche Nachwendezeit und eine sci-fi-hafte nahe Zukunft bis 2030, die Toto nach Paris verschlägt. 66 Jahre umfasst dieses Panorama, und...
Liebe Redaktion,
Sie wollen wissen, wie es in Russland um die Zensur steht, und in wie weit Theater und andere Künste darunter leiden. Wenn ich Ihre Frage mit einem Satz beantworten könnte, würde ich sagen: Die Sache ist paradox. Einem Außenstehenden ist es fast unmöglich, sich in den Spinnwebfäden unseres politischen Lebens zurechtzufinden und insbesondere die...
