Gott ist kein Demokrat
Der Choreograf Iván Markó und seine Compagnie Ungarisches Festival Ballett verbeugen sich beim Schlussapplaus ihrer Premiere. Sie haben gerade «Die Tragödie des Menschen» getanzt, ein Drama des ungarischen Nationaldichters Imre Madách aus dem Jahr 1861. Plötzlich steht ein junger Mann in der vierten Reihe auf und protestiert mit seinem Megafon gegen die immense Summe an staatlichen Fördergeldern, die Markós Inszenierung auf Privatinitiative des ungarischen Premierministers Viktor Orbán erhalten hatte – vorbei an Förderregularien und Gremien.
Dieser publikumswirksamen Intervention im vergangenen Mai – mit Márton Gulyás, Regisseur und Produktionsleiter des Budapester Theaters Krétakör, als Sprachrohr – war im September des Vorjahres ein offener Brief vorausgegangen. In ihm protestierten vierzig Tänzer und Choreografen der Freien Szene gegen das undemokratische Subventionsgeschenk in Höhe von 155 Mio. HUF (440.000 Euro). Zu diesem Zeitpunkt hatte ein Großteil der Freien Szene nicht einmal die zugesicherten Fördermittel für 2012 erhalten. Das Gesamtvolumen für freien Tanz und Theater betrug übrigens 437 Mio. HUF (ca. 1,5 Mio. Euro). Doch profane kulturpolitische Bedenken hebelte der ...
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Theater heute Februar 2014
Rubrik: Ausland, Seite 48
von Anja Quickert
Meinen sie das wirklich ernst? «Den jungen Regisseur Sarantos Zervoulakos», ist auf der Website des Düsseldorfer Schauspielhauses zu lesen, «reizt es zu überprüfen, ob man heutzutage noch eine Landpartie unter falschem Namen unternehmen muss, um ein Anderer zu sein.»
Nun. Man muss sich ja nicht gleich einen martialischen Avatar erfinden, um als tapferer Krieger...
Der arbeitnehmerausbeuterische Pfui-Teufel-Versand amazon, den man doch nie mehr benutzen wollte, hatte im letzten Moment geholfen: Drei Tage vor der Castorf-Premiere an der Berliner Volksbühne, eine Woche vor Weihnachten, lag sie im Briefkasten, die speckige beige Leinenausgabe der «Kusine Lisbeth», die verschweigt, aus welchem Jahr sie stammt. Vier Euro hat das...
Die Schüler kommen aus verschiedenen Ländern Schwarzafrikas und des Maghreb, aus China und der Pariser Banlieue, wo sie zusammen zur Schule gehen. Ihre Eltern sprechen oft kein Französisch; einige leben hier illegal. Sie haben ein feines Gespür für die offenen und versteckten Überlegenheitsgefühle ihrer Lehrkräfte und wissen genau, dass ihre Aufstiegschancen...
