Party nach dem Tod
Am Anfang ist es so schlimm wie am Ende. Oder umgekehrt. Denn indem Anna Bergmann in ihrer Karlsruher Inszenierung von Tschechows «Drei Schwestern» zu Beginn des Abends erstmal den Schluss zeigt – Baron Tusenbach sinkt erschossen nieder –, will sie uns sagen, dass über die ganze nun folgende Geschichte das Urteil längst gefällt ist: Der Untergang ist unausweichlich, und in jeder Szene, ob rückwärts oder vorwärts gedreht, lauert das Unheil. Wo Tschechow den Weltengang noch melancholisch sah, sieht Bergmann zunächst nur schwarz.
Das hätte nun zu einer sehr tristen Angelegenheit werden können. Und kam doch ganz anders. Denn je mehr wir uns dem Ausgangspunkt nähern, desto ausgelassener werden die Menschen. Es ist, als ob sie sich verbissen von den Schreckensmomenten zu den lichteren und leichteren Augenblicken in der Vergangenheit ihrer langweiligen Existenz vorarbeiten.
Schließlich feiern sie eine ausgelassene Party, und man kann es Olga (Ute Baggeröhr), Mascha (Joanna Kitzl) und Irina (Cornelia Gröschel) keinesfalls verdenken, dass sie nun überhaupt nicht mehr nach Moskau wollen, sondern nur noch: «Nach Karlsruhe!» Hier ist wenigstens was los, hier wird auf den Samowar gehauen, die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2015
Rubrik: Chronik, Seite 64
von Bernd Noack
Es gibt wirklich großartige Momente. Zum Beispiel, wenn unverhofft in der Tiefe der Bühne ein auratisches Zimmer erscheint und dann in stiller Absurdität hinter dem Geschehen vorbeizieht. Oder wenn ausgerechnet der Universitätsprofessor Manfred Hild vom Forschungslabor Neurorobotik der Beuth Hochschule für Technik Robbie Williams «I just wanna feel» covert. Oder...
Vor allem ist da diese Angst. Wenn man heute die Artikel zur Endphase des DDR-Theaters 1990 durchblättert, dann springt sie den Leser geradezu an: Angst vor Schließung der Häuser, Angst vor Arbeitslosigkeit, Angst vor Identitätsverlust, Angst vor der Zukunft im Allgemeinen und Besonderen. Und mitten in diesen Wellen der Angst findet die Vereinigung der beiden...
Vielleicht wird ja eine neue griechische Regierung der Zukunft Yorgos Loukos zum Kulturminister machen. Wie er das Epidauros-Festival durch Krise und Angst steuert, ist erstaunlich. Wie schon in den vergangenen Jahren dominieren im Programm die griechischen Produktionen. Es gab einige künstlerische Höhepunkte eines jungen griechischen Theaters zu sehen. Auf dem...
