München: Aber was?
Das Personal klingt weitgehend vertraut: Eine Mutter, die demenzbedingt den Bezug zur Welt verliert und aus Schmerz darüber nur noch fieser wird; deren Tochter, die das Scheitern ihrer Beziehung leugnet; ein junges, postmigrantisches Nachbarspärchen, sie mit Kinderwunsch, er indifferent. Jetzt müsste, der Dramaturgie eines Theaterstücks wie auch der einer Theaterkritik entsprechend, eigentlich die überraschende Wendung kommen. Sie kommt aber nicht. Zwar sagen alle Figuren in Azar Mortazavis Uraufführung «Stille Nachbarn» kurz vor der Pause «jetzt ist es passiert».
Was aber passiert ist, belässt die Autorin bewusst im Vagen, Angedeuteten und bremst alle Plot-Erwartungen erst mal gründlich aus.
Klar ist vor allem, dass das erschreckende Ereignis, das vielleicht auch für jede*n ein anderes ist, diese vier eh schon instabilen Menschlein aus ihrer Spur schubst. Diese Spuren sind im Bühnenbild von Martin Eidenberger Minigolfbahnen: Die von Barbara Melzl als Mutter Charlotte sieht nach Endstation aus, die von Leyla und Ibrahim, gespielt von Esther Schwartz und Bijan Zamani, schlägt weiße, wohnliche Wellen, und Katrin Rövers leicht überkandidelte Isabell wohnt in einem – beim Minigolf ...
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Theater heute März 2019
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Cornelia Fiedler
Neue Stücke
Vor zehn Jahren landete die damals noch unbekannte Yael Ronen an der Berliner Schaubühne mit einem isarelisch-palästinensisch-deutschen Ensemble und dem böse-lustigen Stereotypen-Clash «Dritte Generation» einen Theaterhit. Eine Einwanderungswelle und viele Rechtsrucke später überprüfen Ronen & Ensemble am Gorki Theater noch einmal das Setting von...
Imposant, wie Peaches vom Himmel fährt: eine androgyne Dea ex machina, thronend in einer Pentagonwabe, mit Hochfrisur und auch sonst haarigem Outfit, mit gleich sechs Brüsten bestückt. Zu heftigen Elektrobeats skandiert sie mit tiefgepitchter Stimme, die an Gangsta-Gerappe erinnert, ihre derb-pikanten und obszönen Wortspielereien. Grellrotes Blitz-Licht blendet...
Das Stück, mit dem das Aktionstheater Ensemble auf den Rechtsruck in Österreich reagierte, handelt scheinbar gar nicht von Politik. Weder Kurz noch Strache werden namentlich angesprochen, stattdessen wird in «Swing: Dance to the right» (2017) über homosexuelle Pinguine schwadroniert, über schlechte Chinesenwitze gelacht («Was heißt Dieb auf Chinesisch? Lang Fing!»)...
