Auf den Standpunkt kommt es an
Natürlich sind wir Kulturkonsumenten politisch wahnsinnig gebildete Zeitgenossen. Sobald es allerdings um etwas mehr als die (griechische) Staatspleite oder Guido Westerwelles Vorstellungen von «spätrömischer Dekadenz» geht, können sich durchaus Wissenslücken auftun. Wieso bissen sich zum Beispiel Nikita Chruschtschow und Walter Ulbricht bei ihrem Treffen am 1.
August 1961 im Kreml – dreizehn Tage vor dem Bau der Berliner Mauer – an einem Misserfolg in der ostdeutschen Kartoffelernte fest? Welche Rückschlüsse zogen Ärztinnen im Kosovokrieg aus den Wundrändern tödlich Verletzter? Und mit welchen Winkelzügen versuchten Systemträger des südafrikanischen Apartheid-Regimes, vor der Wahrheits- und Versöhnungskommission ihre Schuld zu relativieren?
Solche Lücken schließt der 48-jährige Dokumentartheatermacher Hans-Werner Kroesinger auf einem Niveau, das Theatergängern vergleichsweise tiefe Denkfurchen in die Stirn prägt. 2.000 Lektüre-Seiten, sagt er, könnten bei der Vorbereitung auf ein neues Projekt schon zusammenkommen. Die fünf Zeitungen, die Kroesinger jeden Morgen durchblättert, sind da wahrscheinlich noch gar nicht eingeschlossen. Und egal, wie stark der Regisseur die ...
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Bunte Farbkleckse vor der Hamburger Handelskammer signalisieren an diesem sonnigen Frühlingstag «Kultur». Für 220 Euro darf man durch das mit steinernem Stadtwappen, Füllhorn und Fruchtgebinden geschmückte Hauptportal treten und auf der Treppe zu Statuengott Merkur aufsteigen. Im repräsentativen Saal der ehemals Neuen Börse am Jungfernstieg findet das...
Von der menschlichen Seite betrachtet, ist so ein Mythenheld ja wenig sympathisch. Herakles’ Weg zum Ruhm ist mit Leichen gepflastert, sein Familienleben ein Desaster, seine Sozialkompetenz ungenügend. Am Ende stirbt dieses Egomonster einen qualvollen Tod. Damit beginnt die Trilogie von Armin Petras. Die drei Stücke («Herakles’ Tod», «Alkestis, mon Amour» und...
Eine Woche nach dem Unglück von Smolensk – das Warschauer Theatertreffen war umgehend abgesagt worden – hatte man auch in Wroclaw abzuwägen, ob die lange geplante Eröffnung der Na-Grobli-Villa zu verschieben wäre. Etwas abseits am Ufer der Oder gelegen, soll das Fabrikantenanwesen vom Ende des 19. Jahrhunderts mit seinen großzügigen Räumlichkeiten nun als zweite...
