Foto: Sebastian Bühler/ Theater Heidelberg
Heidelberg: Schaum vorm Mund
Populismus, Fremdenhass und rechte Gewalt werden nicht erst seit AfD und Flüchtlingsdebatte auf der Bühne thematisiert. Zahlreiche Autoren haben in den letzten Jahren gründliche Recherchen und ideologische Tiefenforschungen zu den dunklen Seiten Deutschlands betrieben: Die Schlampereien des Verfassungsschutz hinsichtlich der rechtsradikalen Terrorzelle NSU arbeiteten bspw.
Tugsal Mogul, Elfriede Jelinek, Nuran David Calis auf, Andres Veiel legte in «Der Kick» die Geschichte eines Mordes in der jugendlichen Neonaziszene frei, und Dirk Laucke trug in «Angst und Abscheu in der BRD» antisemitische Äußerungen rechter und linker Couleur aus Ost- und West-Deutschland zusammen.
Mit «Ich bin das Volk. Volkstümliche Szenen aus dem neuen Deutschland» hat das Theater Heidelberg nun eine Kroetzsche Szenencollage aus dem Jahre 1993 zu rechtsradikalem Denken ausgegraben. Angesichts brennender Asylbewerberheime muss Kroetz damals der heilige Zorn gepackt haben, derart erbarmungslos lässt er das dumpfdeutsche Kleinhirn aller Bevölkerungs- und Bildungsschichten in 24 Szenen zu Wort kommen. Während manche Schreckensszenarien von der Realität längst eingeholt worden sind – ein «Volksvertreter» ...
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Theater heute Februar 2018
Rubrik: Chronik, Seite 51
von Natalie Bloch
Ein Mann kommt auf die Bühne, telefonierend mit Ohrstöpseln und Freisprechgerät im strahlend blauen Anzug – ein Manager von heute. Es ist Konsul Bernick aus Ibsens «Die Stützen der Gesellschaft» von 1877. Wenn das Stück so glatt aktualisierbar ist, warum wird es heute so selten gespielt?
Der komödienhafte Schluss wird in allen Schauspielführern bemäkelt. Ibsen sei...
Auf Grau folgt Weiß, dann Pink, Hellrosa, Türkis und Blau. Die Bühne von Josa Marx erinnert an eine Bonbonschachtel, und die fünf Marilyns, die in dieser Bonbonschachtel liegen, sind mit ihren Kleidern perfekt darauf abgestimmt – so perfekt, dass sogar die Farbwechsel der liegenden Figuren in die Kunstseidekleider eingearbeitet sind. Das Ikonische der Marilyn legt...
Man beschwert sich über Ossi-Witze, Privatfernsehen, Rollkoffer auf Pflastersteinen», intoniert ein engagiertes Sangestrio auf der Bühne des HAU 3 mit einer Inbrunst, als handele es sich mindestens um die Wagnersche «Götterdämmerung». Später finden auch «Großkonzerne», «Lebensmittelhypes», «Touristen» und «Fremdenfeindlichkeit» Eingang in den fidel vertonten...
