Olympische Kulturen
Mit der Eintrittskarte zum Theaterprojekt «The Cherry Orchard» erhalten die Besucher einen weißen Mundschutz. In Tokio sind diese Masken alltäglich, nicht nur in der Grippezeit und im Verkehr. Auffallend viele junge Frauen, aber auch Männer schützen sich damit – nicht nur vor Abgasen und Viren, sondern auch vor Blicken. Manche sparen mit der Maske auch das Make-up, wenn sie nur eben etwas einkaufen wollen in den Convenience Stores, die 24 Stunden geöffnet sind und im Abstand von 500 Metern die Stadt überziehen.
Die Masken erinnern aber auch an die Katastrophe vom März 2011, als ein Tsunami die Insel erreichte und im Atomkraftwerk von Fukushima eine Kernschmelze auslöste. Nicht dass ein Mundschutz etwas gegen radioaktive Strahlung ausrichten könnte, aber wir sind bei einer Premiere des Festival Tokyo, und da kann man auch mal von metaphorischen Requisiten ausgehen. Mundschutz, Strahlenschutz: Eine Renovierung von Tschechows Zukunftsangst, sein «Kirschgarten» dient hier nur als Thementapete. Mikuni Yanaihara, Text und Choreografie, zimmert aus dem alten Stück ein Einfallstor zu einem japanischen Debattenraum.
Es geht, allmählich, um ein aktuelles Politikum. Als Brillenträger muss ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Februar 2015
Rubrik: Ausland, Seite 38
von Tobi Müller
TH Gelten die Menschenrechte nur für Westeuropäer? Wie gehen wir mit Flüchtlingen um? An verschiedenen Theatern gibt es dazu mittlerweile Aktionen, darunter besonders hervorstechend die «EcoFavela Lampedusa-Nord» auf Kampnagel in Hamburg, während im Thalia Theater seit Saisonbeginn auch Nicolas Stemanns Uraufführung von Elfriede Jelineks «Die Schutzbefohlenen» zu...
Die Intendanz eines gut laufenden Theaters zu übernehmen, ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits kann man auf ein an zeitgemäßen Theaterformen geschultes Publikum vertrauen, muss wenig Aufbauarbeit leisten. Andererseits steht man in Schuhen, die einem leicht zu groß erscheinen können. Einfach ist es also nicht für Christian Firmbach, seit dieser Saison...
Wir wissen, dass es schiefgehen musste. Eurydike war und blieb tot, da konnte Orpheus noch so singen. Die mythologische Figur ist bei Elfriede Jelinek «nur» eine Schattenfrau, die man sich als Gattin eines Popstars vorstellen kann. Kommt sie auf den abwesenden Mann zu sprechen, kann sie schön spitz werden und so gar keinen Wert darauf legen, vom Göttergatten aus...
