Ein gutes Gefühl
Eigentlich war es ein Kamikaze-Unternehmen – und wurde das Theaterwunder des letzten Sommers: Ein vier Stunden langer Abend über die Liebe in bedrängten Umständen, die gegen alle Erwartung und Erfahrung nicht scheitert, weil beide Beteiligten, der (bald schon abgebaute) Herrenmodenverkäufer Johannes Pinneberg und die Näherin Emma Mörschel, genannt Lämmchen, einfach keinen Deut voneinander abrücken und alles äußere Unheil, Arbeitslosigkeit, Not und Erniedrigung einfach am Schutzschild ihrer Gemeinsamkeit abprallen lassen.
Und das ganz schlicht und ergreifend gespielt und erzählt von zwei wunderbar geradlinigen und in ihren Rollen aufeinander eingeschworenen Schauspielern: Annette Paulmann und Paul Herwig.
Zunächst hatten sich beide gewundert, warum sie hier überhaupt besetzt worden waren. Regisseur Luk Perceval, der selbst die Bühnenfassung nach Hans Falladas Roman «Kleiner Mann – was nun?» entwickelt und sich mit der Inszenierung an den Münchner Kammerspielen einen lang gehegten Wunsch erfüllt hat, wusste es umso besser. Zwar sind Pinneberg und Lämmchen im Roman beide Anfang zwanzig, wenn sie sich Hals über Kopf in die Jagd nach dem Glück und ins Berlin der rasanten 20er Jahre ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es gibt eine Spur in der deutschen Dramatik, die ins Dunkle zieht. Auf ihr kann man den «Schattenwesen» begegnen. Unruhige, schemenhafte Gestalten, gebückt oft oder zusammengekauert, in Angststarre gebannt oder auf der Flucht. Büchners Woyzeck, Hauptmanns Mutter Wolffen oder Bruno Mechelke aus den «Ratten» sind solche Gestalten. Ihre Autoren erzählen von Menschen,...
Warum wird ein Theater zum Theater des Jahres? Wegen seiner Vergangenheit und seiner Zukunft, weil es irgendwo herkommt und weil es irgendwohin den Weg weist. Die Gegenwart ist dann nur der günstige Moment dazwischen.
Das Kölner Schauspiel kommt aus einer Senke mühseliger, glückloser Jahrzehnte. Überregionale Bedeutung erhielt es zuerst in der Intendanz Hansgünther...
Thomas Arzt ist 27. Er kommt aus Oberösterreich und ist in einem Dorf aufgewachsen. 2000 Einwohner hat es, und Theater war dort, auf dem Land, mehr als genug. Da gab es eine Laienbühne, an der der Großvater eine große Rolle spielte. Es gab einen Saal mit Drehbühne, einen Fundus und viele schöne Geschichten. Und wenn andere einen Dachboden ihr Refugium nennen...
