Das kostbarste Ei

Was der Dramatiker des Jahres Wolfram Lotz vom Theater und seinen «pimmeligen Bestimmern» hält und wie er sich ein anderes Theater vorstellt, erzählt er in einem E-Mail-Gespräch

Theater heute - Logo

Theater heute Lieber Wolfram Lotz, Paragraph 12 ihres Manifests im Jahrbuch 2014 lautete: «Im Theater ist das Gelingen des Lebens der Arbeiten­den von Bedeutung, aber nicht nur dort.» Was sind die Bedingungen für das gelingende Leben eines Theaterautors? 

Wolfram Lotz Ich befürchte, es gibt kein gelingendes Leben als Theaterautor, man kann als Theaterautor vermutlich höchstens eine gelin­gende Zeit haben.

Wichtig ist, dass das, was geschrieben wird, für sich schon seine Berechtigung hat, es nicht davon abhängig ist, ob sich ein Theater erbarmt oder nicht. Ich wohne in der Literatur, aus der Hütte kann mich keiner rausschmeißen. Aus dem Theater dagegen wird man als Autor wohl wieder rausgeschmissen, vermutlich sogar sehr schnell. Deshalb scheint es mir wichtig zu sein, das Schreiben nicht noch an den Rhythmus des Theaters anzupassen, zum Beispiel in Form von Schreibaufträgen. Ein Text ist fertig, wenn er fertig ist, und nicht, wenn Abgabe ist, und er muss weggeschmissen werden, wenn er weggeschmissen werden muss. Und wenn das zu Sagende nicht auf die Bühne will, plötzlich, sondern woanders hin, dann soll es woandershin, z.B. in einen Gedichtband oder in eine Erzählung. Und wenn ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Der Autor des Jahres, Seite 142
von Theater heute

Weitere Beiträge
Goldene Brücken

Sie haben alles richtig gemacht: Gerd, 57, Leitender Ingenieur in einem Baukonzern, liberal, witzig, lösungsorientiert, und Bettine, 51, ehemals im Marketing beschäftigt, reflektiert, empathisch, fürsorglich – er, als er auf eine weitere Stufe der Karriereleiter verzichtete, indem er aus den USA nach Deutschland zurückkehrte, sie, als sie vor zehn Jahren die...

Ökonomie des Zufalls

Der Titel des neuen Stücks von Jonas Hassen Khemiri ist ein kleines mathematisches Zeichen: ≈ [ungefähr gleich]. Damit wird das mittlere der drei großen, nach wie vor uneingelösten republikanischen Versprechen «Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit» in den Blick genommen. Es sind große Fragestellungen, die, wie der Autor selber sagt, «das Schreiben beeinflusst...

Postideologische Querfronten

Nicht erst seit vor ein paar Jahren der «Nipster» durch die vermischten Nachrichten geisterte – Personen im Hipster-Outfit auf Nazi-Demos – und Neonazis als «Nationale Autonome» Methoden und Looks des «Schwarzen Blocks» imitierten, verlangt ein Phänomen nach Deutung, das in verschiedenen Formen schon seit Beginn des neuen Jahrtausends aktenkundig ist: die...