Aktenlage redivivus
Die Dresdner Staatssicherheit verfolgte zweifelsfrei auch originelle Projekte. Mitte der achtziger Jahre arbeitete sie zum Beispiel hart daran, die Trainerbank des lokalen Fußballklubs SG Dynamo Dresden zu verwanzen: ein Unterfangen, das auf den letzten Metern an technischen Details scheiterte – was man vom munteren Schriftverkehr diverser Sportfunktionäre mit dem DDR-Stasi-Chef Erich Mielke naturgemäß nicht behaupten kann.
Kam es ausnahmsweise doch mal zu einer unliebsamen Schiedsrichter-Entscheidung gegen dessen Lieblingsverein – den Dresdner Erzrivalen BFC Dynamo Berlin, den man sich als eine Art FC Bayern München des Ostens vorstellen darf –, ließ sich Mielke seitenlang über den Hergang dieser Ungeheuerlichkeit unterrichten.
In Rimini Protokolls «begehbarem Stasi-Hörspiel» «Radioortung – 10 Aktenkilometer Dresden» kann man sich diese hochnotkomischen Verbalergüsse en detail anhören: Mit Handy, Kopfhörern und Stadtplan ausgestattet, bewegt man sich eigeninitiativ durch die Dresdner Alt- wie Neustadt und läuft dabei – sobald man eben zum Beispiel in Dynamo-Stadion-Nähe kommt – dank GPS automatisch in die Sendungsregion des betreffenden Archivmaterials hinein.
Dergestalt lässt ...
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Theater heute August/September 2013
Rubrik: Chronik: Dresden, Seite 58
von Christine Wahl
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