Bücher: Herrn Prosperos armer Vetter
In Christophe Marthalers Inszenierung von Shakespeares «Der Sturm», in der kein Sturm tobte, aber eine seltsam verzaubernde Windstille erblühte, nämlich das im Untertitel versprochene «petit rien», spielte Robert Hunger-Bühler den Ariel als grimmigen Kellner im Frack. Er schien wie die in einer Art Wartesaal versammelten Gäste sein Leben als Schiffbruch erlitten zu haben, in seinem verschlafenen Verhalten schimmerte die Schwermut einer ruinierten Existenz durch.
Diesen lemurenhaften Ariel setzte Hunger-Bühler mit dem Herrn Robert in Marthalers «Jubiläumskonzert in zwei Aufzügen» fort, einer Collage aus Karl Valentins «Tingeltangel» und Maurice Maeterlincks «Der Eindringling». Über den Valentins Orchesterwart neu belebenden Existenzschussel, in dem immense Trauer über die Flüchtigkeit der Musik rumort, schrieb Benjamin Henrichs: «Vor allem hat Herr Robert den unwiderstehlichen Blick eines uralten, tausendmal geprügelten Hundes – und das unsägliche Glück vom Schauspieler Robert Hunger-Bühler, einem Genie des Trübsinns, erschöpfend interpretiert zu werden. Herr Robert ist ein Würstchen. Aber gleichzeitig ist er so etwas wie Herrn Prosperos armer Vetter. Der Herr über die Lichter und ...
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Theater heute November 2018
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Klaus Völker
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