Baden-Baden: Trennung à la Reza

Joanna Murray-Smith «Nur drei Worte» (DSE)

Theater heute - Logo

Da haben sich Theater und Autorin gefunden: Zum dritten Mal seit 2016 kommt in Baden-Baden ein Stück der Australierin Joanna Murray-Smith auf die Bühne, und nach dem Nachspielen von «Zorn» und der deutschen Erstaufführung von «Switzerland» ist es diesmal sogar eine deutschsprachige Erstaufführung.

Dabei hätte «Nur drei Worte» (uraufgeführt 2017 in Melbour­ne) durchaus das Zeug zum Großstadterfolg, wird hier doch das bewährte Yasmina-Reza-Setting des gehobenen Mittelschicht-Kleinkriegs mit einem neuen Dreh durchgespielt: Zwei gut befreundete Paare mittleren Alters sehen ihr bisheriges Leben auf den Kopf gestellt, weil eines dieser Paare dem anderen wie aus heiterem Him­mel die drei titelgebenden Worte mitteilt: «Wir trennen uns.»

Mit dem Ehe-Aus von Curtis und Tess platzt auch die Blase des Wohlfühl-Daseins ihrer besten Freundinnen Bonnie und Annie: Was soll aus dem bislang unzertrennlichen Quartett werden, wenn sich eine Hälfte davon trennt? Und was wird aus dem bereits gemeinsam gebuchten Urlaub in Bhutan? «Vielleicht könnten wir sogar beide mitkommen, nur ... als Indivi­duen, nicht als ‹Einheit›», versucht Curtis die Wogen zu glätten – ein mindestens doppelbödiger Satz, legt er ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2019
Rubrik: Chronik, Seite 63
von Andreas Jüttner

Weitere Beiträge
Die Scharteke lebt

Friedrich Schiller hat sein eigenes Stück in der Luft zerrissen. In seiner Selbstrezension schon kurz nach der Uraufführung 1781 in Mannheim wird die dramatische Konstruktion mitleidlos zerrupft. Die Figuren seien nicht «nach der Natur» gezeichnet, sondern nach den Lektüren des Verfassers. Er habe die Menschen «überhüpft», monströs einseitige Charaktere entworfen...

Lizenz zum Stage diven

Bevor es richtig losgeht mit der vielstündigen Schlacht der Griechen, der Götter und des olympischem Gedonners, tritt der Schauspieler Nils Kahnwald in der Rolle des Schauspielers Nils Kahnwald an die Rampe der Münchner Kammerspielbühne. Wie ein Boxer trippelt er auf der Stelle und zeigt ein schmales Lächeln. Mit einer merkwürdig hellen, manchmal fast ins...

Kassel: Mangelware Sperma

40 ist die Panikgrenze. Diese 40, in Worten «fourty», flammt weiß und drohend über der dunklen Bühne auf: Wer jetzt kein Kind hat, macht sich keines mehr, lautet der Subtext dieser harmlosen Ziffern, der Frauen bis heute eingeimpft wird. Das ist biologistisch und in Zeiten von «Social Freezing» nicht mehr ganz aktuell. Doch bei Casting-Agentin Anna hat es...