Memmingen: Mord als Medizin
In einer Ecke des klinisch weißen Bühnenraums von Ulrich Leitner sitzen sechs Personen in grauen Overalls zusammengedrängt auf einer Anklagebank und wirken ein wenig wie Mäuse in einem Versuchslabor. Um Versuche geht es an diesem Abend, um Experimente an Menschen bis zur jahrelang bürokratisch vorbereiteten und generalstabsmäßig durchgeführten Tötung von behinderten Kindern und psychisch Kranken durch Ärzte und Pflegepersonal während des Nationalsozialismus.
In Kaufbeuren, einer Kleinstadt in Schwaben, nicht weit von Memmingen, fanden von 1939 an Hunderte solcher Krankenmorde statt, mitunter waren es auch einfach schwer erziehbare Jugendliche, wie der 14-jährige Ernst Lossa, Sohn einer Familie von Jenischen, der im August 1944, in Kloster Irrsee, einer Zweigstelle des Bezirkskrankenhauses, von einer Krankenschwester mit einer Überdosis Morphium-Skopolamin zu Tode gespritzt wurde. Kathrin Mädler, Regisseurin, Dramaturgin und seit 2016 Intendantin des Landestheaters Memmingen, hat den Dramatiker John von Düffel beauftragt, auf der Basis des erfolgreichen, 2007 erschienenen biografischen Romans des Journalisten Ernst Domes «Nebel im August» ein Stück zu schreiben, das jedoch weniger ...
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Theater heute August/September 2018
Rubrik: Chronik, Seite 65
von Silvia Stammen
Einer galoppiert über die Bühne, erfasst vom Weltenjammer: «Eieieieiei!», ruft Arthur Romanowski, und sein grasgrüner Bademantel flattert hinter ihm her. Der junge Performer hat sich eine Aufgabe gestellt: Auf der Bühne möchte er «Irgendwas für irgendwen an irgendeinem Tag im Juni» tun. Doch natürlich soll dieses Handeln auch über das Theater hinausreichen, das...
Mit Mitte 30 hat Mary Page Marlowe viel erduldet und nichts erreicht in ihrem Leben. Sie sitzt auf einer Bank, ein Therapeut durchlöchert ihre Ich-Blockade mit Existenzfragen, auf die sie keine Antwort kennt. Bis sich Marys stahlblaue Augen weiten. Und dann sagt sie, dass sie sich noch niemals für etwas wirklich entschieden habe. Eine namenlose Sehnsucht liegt frei...
Es gibt also ein Problem im Theater in Afrika», erklärt Dieudonné Niangouna in seinem Essay «Acteur de l’ écriture», «und zwar deshalb, weil der Markt auf diesem Kontinent vom Blick der westlichen Programmgestalter abhängt. Die Künstler sind die Hauptprotagonisten einer Geschichte, die niemals die ihre ist. Das nennt man die Weiterführung der Kolonialisierung.»
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