Dem Unerlösten auf der Spur

Ruth Berghaus als Künstlerin – in der Kritik und im Licht der Staatssicherheit

Theater heute - Logo

Ruth Berghaus war eine der eigenwilligsten und unangepasstesten Künstlerpersönlichkeiten des deutsch-deutschen Theatergeschehens im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts. Vor allen Dingen mit ihren Operninszenierungen setzte sie Maßstäbe, stellte sie sich quer zu gedankenloser Routine, zu Kunstgewerbe und restaurativer Musiktheaterpflege. Rolf Liebermann, Komponist und experimentierfreudiger Opernintendant, gehörte zu ihren überzeugten Anhängern: «Ich halte sie für einen der intelligentesten Regisseure, die ich kenne, einen der analytischsten, strukturellsten und musikalischsten.

» Ihre Arbeiten polarisierten nicht nur das Publikum in Ost und West, auch die Theaterleute und Musiker, insbesondere die Sänger und Sängerinnen teilten sich in begeisterte Befürworter und entschiedene Gegner. Der langjährige Bassist der Frankfurter Oper, Manfred Schenk, widersetzte sich, den Schatz seiner Stimme gerne gemächlich ausschreitend und agile Körperhaltungen lieber vermeidend, ihren szenischen Zumutungen und schmähte sie über den Tod hinaus: Für den Fall, dass Ruth Berghaus «für den lieben Gott inszenieren darf», sei er entschlossen, sich dort oben krank zu melden.

Die Schweizer ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2006
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Klaus Völker

Vergriffen
Weitere Beiträge
Spielplatz der Untoten

Die Pubertät als Zeit der naturwüchsigen Rebellion ist hierzulande seit längerem eine aussterbende Lebensphase. Sage und schreibe 70 Prozent aller deutschen Jugendlichen wollen ihre Kinder haargenau so erziehen, wie sie selbst groß geworden sind, fand die 14. Shell-Jugendstudie 2002 heraus. Die Revolte ist, wenn sie überhaupt stattfindet, auf die Fußballplätze...

Freiwillig geklont

Fünf Personen – drei Männer, zwei Frauen – in identischem Outfit: dunkle Trainingshosen und Jacken, die geometrisch mit fluoreszierenden Streifen abgeklebt sind, Kapuzen, darunter gelbe T-Shirts und Stoffturnschuhe. Als ob das noch nicht genug an Uniformierung wäre, sind auch die Gesichter maskenhaft auf stereotype Gleichheit hin aufgeschminkt. Diese Leute hören...

Tränen aus dem Stand

Man sagt dem Regisseur Jürgen Gosch eine Schwäche für Süßigkeiten nach. Wer die besten Konditoreien in Düsseldorf, Berlin, Hamburg, Hannover oder Zürich wissen will, der frage den 62-jährigen Regisseur auf Endlostournee. So raunt man in Zügen und Hinterzimmern. Irgendeine Droge muss der unermüdliche Mann ja haben, warum nicht den Downer aus schön verarbeitetem...