Kein Großes im Ganzen
In diesem Bayern gibt es keinen weißblauen Himmel, stattdessen gießt es wie aus Kübeln, drei Stunden lang, fast ununterbrochen. Als hätten sich die Schleusen des Himmels geöffnet, um eine neue Sintflut über den Freistaat niedergehen zu lassen, der hier zum Schauplatz einer giftigen und in vieler Hinsicht nicht aus der Luft gegriffenen politischen Dystopie über den zunehmenden Einfluss rechtsextremer Strömungen wird.
Regisseur Ersan Mondtag und Autorin Olga Bach haben sich, nach ihrer gemeinsamen Produktion «Das Erbe» von 2017, einer philosophisch leicht verstiegenen Abrechnung mit den kollektiven Grundlagen des NSU aus Science-Fiction-Perspektive, zum zweiten Mal an den Münchner Kammerspielen einen beunruhigenden Aspekt deutscher Gegenwart herangezoomt und in einer Engführung höchst heterogener ästhetischer Ansätze zu einem gallig-explosiven Gemisch verdichtet.
Dabei hat das neue Werk das Zeug zu einem theatralen Wolpertinger (so nennt man die in Bayern beliebten, über Kreuz zusammengenähten Jagdtrophäen, wo schon mal ein Hase mit Geweih, Raubtiergebiss und Adlerklauen bestückt ist). Im Fall von «Doktor Alici» ist der Grundtorso nur noch als Kontur erkennbar: Arthur Schnitzlers ...
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Theater heute März 2019
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Silvia Stammen
Lasst mich in Ruhe» – das waren bekanntlich Brechts letzte Worte, bevor er am 14. August 1956 58-jährig für immer die Augen schloss. Es ist ausgerechnet Barbara Brecht-Schall, die diese Worte in die Kamera spricht, Brechts Tochter und Gralshüterin, die im Verbieten von allem, was mit dem heiligen Vater zu tun hat, normalerweise schnell zur Stelle war. Ob sie...
Während im neuen Jahr London seine Premieren im gewohnten Rhythmus ausspuckt, wird kein britischer Theatermensch bestreiten, dass das absurdeste Stück zur Zeit in Westminster spielt. Man sieht perplex auf die Parlament-Politfarce – die Londoner, die ja als Insel auf der Insel klar für «Remain» gestimmt hatten, vielleicht mit besonderer Galle. Und da Mrs. May die...
Die Studiobühne des Burgtheaters, das Vestibül im linken Flügel des Haupthauses, ist ein denkbar schwieriger Theaterraum. Gegen die klassizistische Pracht der von Marmorsäulen gesäumten Wände muss man erst einmal anspielen, und für Raumgestaltungen, die das dominante Ambiente entschärfen könnten, ist zu wenig Platz. Eigentlich brutal, dass ausgerechnet das Vestibül...
