Dritte deutsche Welt
Tränen werden beim Abschied in Halle-Neustadt nicht vergossen. Fröhlich kräht eine Gruppe Menschen «Auf Wiedersehen, Sachsen-Anhalt» und «Tschüss, Halle» in den Nachthimmel. Wer sich am Bahnhof der einstigen Chemiearbeiter-Schlafstadt aufhält, winkt zurück. Die meisten Leute hier kennen die Prozedur. Sie haben sich an den Anblick von mit Akten bestückten, manchmal auch kleine Gläschen mit Urin tragenden Petitenten gewöhnt.
Jetzt freuen sie sich mit denen, die – begleitet von zwei blau gekleideten Assistenten – aus dem Bahnhof hinaus zu einem Flugzeug streben, das sie in das Land ihrer Wünsche tragen wird. Denn diese Glücklichen haben den Trainingsparcours des «Auswärtigen Amtes» erfolgreich absolviert.
«Auswärtiges Amt» ist eine Hybride aus politischer Travestie, Theater, Intervention und Live-Rollenspiel, die von Jörg Giese und Esther Steinbrecher entwickelt und jüngst im Rahmen von «Neustaat», der vom Thalia-Theater Halle und dem Bauhaus Dessau initiierten Belebung des Bahnhofes Halle-Neustadt, durchgespielt wurde. «Auswärtiges Amt» dramatisiert die von einigen Medien konstatierte «Auswandererwelle» und stempelt den Zuschauer zum Wirtschaftsmigranten.
Es gilt ...
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Durch das Logo von Deutschlands größtem Kinder- und Jugendtheater fliegt neuerdings ein Flugzeug. Vorläufig nur auf Papier, doch bald soll es auch vom Bühnenturm des Theaters leuchten und damit eine alte Tradition wiederbeleben. Bis 1990 strahlte von dort nämlich der ursprüngliche Name des Hauses «Theater der Freundschaft» in Leuchtbuchstaben über den Berliner...
Sechs Jahre nach dem Ende des Krieges waren Fritz Kortner, Bertolt Brecht, Wolfgang Langhoff, Berthold Viertel, Ernst Deutsch, Carl Zuckmayer, die bekanntesten von denen, die 1933 ins Exil gegangen waren, längst wieder im Land. Die deutschen Theater spielten volles Programm, viele noch auf Behelfsbühnen – aber der Wiederaufbau ihrer zerstörten Häuser kam in Gang....
Wenn er hereinkam, der kleine, stämmige Mann mit dem wie poliert glänzenden Schädel im schütter gewordenen Haarkranz, den wach strahlenden Augen, dem kindlichen Lebenslust-Lächeln – dann wurde einem wohl ums Herz. Schwer, schmerzhaft zu denken, dass er jetzt tot ist. Aber sein Beispiel bleibt, das eines politischen Schriftstellers, Selbstdenkers.
István Eörsi,...
