Ätsch!

William Shakespeare «Othello»

Theater heute - Logo

Othello als einer, der steckenblieb in Descartes’ erster Meditation: In seinem Denken findet er keine Gewissheit. Es bleibt nur der Betrüger-Gott, der ihn in allem, was er wahrnimmt, täuscht. Und Jago will das Abbild sein dieses Gotts des Bösen, bekennt er in seinem Glaubensbekenntnis, das Arrigo Boito für Verdis Oper schrieb.

So war es wohl gedacht, wie man den Descartes- und Boito-Zitaten im Programmheft und in der Textfassung entnehmen kann.

Doch was man in David Böschs Inszenierung auf der Bochumer Bühne sieht, ist anders: Ein sanft durch den dunklen Weltenraum schwebendes Taschentuch, die Jukebox am Bühnenrand spielt Elvis Presleys «Can’t help falling in love». Cassio kämpft ungeschickt mit den Tücken eines Megaphons und alarmiert die venezianischen Streitkräfte und ihren General Othello zum Kampf gegen die Türken. Emilia bietet Desdemona Rollmöpse an.

Ironisch gebrochene Sentimentalisierung des Liebespaares und aktualisierende Scherze überfluten das gedankliche Gerüst der Inszenierung. Verwendet wird Frank-Patrick Steckels kantig und gegenwartsnah formulierende Übersetzung, aber in einer eigenen Fassung, die sich auch an Verdis Oper orientiert. Das Personal wird auf sechs ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2014
Rubrik: Chronik Bochum Schauspielhaus, Seite 54
von Gerhard Preußer

Weitere Beiträge
Pläne der Redaktion · Impressum

«Die Toten auf der Gegenschräge» feierte Dimiter Gotscheff in seiner letzten Inszenierung, Heiner Müllers «Zement». Damit eröffnet das Berliner Theatertreffen, die alljährliche meistgbeachtete und meistbeunkte Versammlung der bemerkenswertesten Inszenierungen des Jahres. Wie wird’s wohl diesmal werden?

 

Was hat Bizets «Carmen», der Abo-Klassiker des...

Geschichte als Familienaufstellung

Gartenzwerge sind seit dem Barock belegt, spätestens ab 1900 wurden die Wichtel industriell gefertigt und gelten seither als Inbegriff des Spießbürgertums. Entsprechend ist es mehr Symbolik als historische Realität, dass der Kriegsheimkehrer Erich Freytag (Alexander Svoboda) sich in Oskar Roehlers autobiografischem Roman «Herkunft» seinen Teil des...

Von melancholisch nach aufgekratzt

Es war einmal eine Zeit, in der es keine Überwachungskameras an Tankstellen, keine Daten sammelnden Bordcomputer und keine Dashcams in Autos gab. Ein Mann begeht Fahrerflucht, eine junge Frau stirbt, ein Tankwart schweigt. Und außer dem Zuhörer wird keiner je die volle Wahrheit erfahren. Und es ist eine Zeit, in der Gier die Menschen zum Morden bringen. Wo der...