Was man selber will
Nein, man muss Dinge nicht selbst erlebt haben, um darüber zu schreiben. Nach allem, was man weiß, hat Shakespeare nie im Wald gelebt, Goethe hat kein Kind getötet, und Brecht war kein Gangster.
Wieso also überhaupt einen Gedanken an die Frage verschwenden, ob eine 18-Jährige, die ein – vor allem auch sprachlich – höchst bemerkenswertes Stück über Kindsmissbrauch schreibt, in dem das Kind darauf besteht, kein Opfer zu sein, selbst das Opfer eines Missbrauchs war? Wieso fragt man sich das, und wieso fragt es sich offenbar jeder, der von diesem Stück und seiner Autorin hört? Fragt es sich und natürlich nicht Katja Brunner. Denn das ist klar: Ein größeres Tabu als den real existierenden Missbrauch gibt es kaum.
Zum Glück kommt Katja Brunner irgendwann von selbst drauf zu sprechen im Café bei ihr um die Ecke in der Berliner Brunnenstraße, in dem die selbstbewusste junge Frau nicht zu übersehen ist in ihrer schwarzen Samthose zur schwarzen Spitzenbluse, mit der lila Jacke und den flammend roten wilden Locken; kräftiger roter Lippenstift, kräftiger Lidstrich: kein Mauerblümchen, dieses Mädchen, das die Fragilität, von der ihre Texte auch sprechen, mit sehr viel Kraft und Farbe zu ...
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Theater heute Mai 2013
Rubrik: Neue Stücke aus Mühlheim, Seite 40
von Barbara Burckhardt
Nach der Papierform konnte man das noch für eine gute Idee halten: den Irrsinn der europäischen Partikularinteressen und Lobbyegoismen in einem Familienstück zu spiegeln, in dem sich Solidarität und Fürsorge und die eigenen Wünsche naturgemäß in die Quere kommen.
Drei Generationen-WG also. Opa, Tochter, Enkel ziehen in eine neue Wohnung, noch unmöbliert. Sohn Jakob...
Eher selten findet man heute diese Art dazustehen. Es gibt sie auch nur bei Frauen. Die Füße sind weit voneinander entfernt, die Beine steigen parallel vom Boden auf – obwohl sie doch schräg zusammenlaufen müssten, um in der Hüfte gemeinsam anzukommen. Es ist ein anatomisches Wunder. Walt Disney hat Minnie Mouse eine Weile so gezeichnet.
Wenn Frauen so dastehen,...
Weiß, oval, eng und weit. Es ist ein Raum irgendwo zwischen White Cube und Gladiatorenarena, den sich Sebastian Hartmann zum Ende seiner Intendanz für seine Leipziger Festspiele ins Centraltheater gestellt hat. Ein Totaltheater, dem nicht nur die Stühle des Zuschauerraums, sondern auch der Deckenleuchter einem riesigen Scheinwerfer weichen musste. Bis zu 200...
