Zeitarbeit

Unter dem Motto «Geteilte Zeit. Theater zwischen Entschleunigungsoase und Produktionsmaschine» verstrich die Jahrestagung der Dramaturgischen Gesellschaft in Hamburg

Theater heute - Logo

Die Vorstellung begann um 8 Uhr. Als ich um 10 auf die Uhr schaute, war es erst halb 9.» (Alfred Kerr) Dass sich im Theater bisweilen die erlebte Zeit ganz erstaunlich dehnen kann, ist ein bekanntes Phänomen. Zumal das Theater seinen Besuchern meist wenig Spielraum zugesteht, die Zeit mit etwas anderem totzuschlagen als mit Theater. – Dass theaterspe­zifische Langeweile auch als homöopathisches Mittel gegen soziale Beschleunigungsprozesse ein­gesetzt werden kann, war eine von diversen Thesen auf der Jahrestagung der Dramatur­gischen Gesellschaft.

Zeit ist zwar räumlich gesprochen ein weites Feld, andererseits kann man von ihr auch nie wirklich behaupten, sie sei nicht aktuell.

Dass (das) Theater Zeit braucht, leuchtet unmittelbar ein. Aber braucht die Zeit, genauer gesagt unsere, auch das Theater? Natürlich freut sich das Theater als Subventionsempfänger, wenn Gesellschaftsexperten seine sozialhygienische Funktion («Entschleunigungsoase») entdecken. Andererseits fühlt man sich auch nicht zu Unrecht als gut geölte «Produktionsmaschine». Ob nun ausgerechnet das, was an der Institution Theater aus kulturkritischer Sicht schätzens-, auch theaterpraktisch schützenswert ist, darüber ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2008
Rubrik: Magazin, Seite 61
von Anja Quickert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Anatomie Tschechow

Auf die Idee muss man erst einmal kommen: Falk Richter hat für seine «Kirschgarten»-Inszenierung Tschechows russisches Original einer Agentur gegeben, die üblicherweise auf die Übersetzung von Wirtschaftstexten spezialisiert ist, und auf dieser Grundlage eine Neubearbeitung angefertigt. Abgesehen von einem souveränen Mangel an Bescheidenheit – ich schreib mir...

Der Gebrauch des Menschen

Für die einen ist Krieg ein Job, mit dem sich ein Bruchteil des Geldes, das man nie erben wird, verdienen lässt. Für die anderen ist er ein Skandal, eine ethische Katastrophe, ein Verbrechen an der Menschlichkeit, in der Praxis ausgeübt von Leuten, die mehr oder weniger von Natur aus Dumpfbacken oder Sadisten sind. Oder, wie es der Waffenverschärfer Paul aus Simon...

18 Tage für den Überlebenskampf

Anfang Januar füllte sich das Londoner Young Vic Theatre für eine stürmische Matinee: 600 wutschnaubende britische Theatermacher drängten sich ins Auditorium. Die Schauspielergewerkschaft Equity hatte Peter Hewitt, den scheidenden Vorstand des Arts Council England (ACE), zur Diskussion gebeten. Denn es gab Redebedarf: Am 12. Dezember hatte die zentrale englische...