Der Apparat sendet weiter
1923 in Berlin, auf dem Dach der Schallplattenfirma Vox in der Potsdamer Straße, wird der erste Sender für den Unterhaltungsrundfunk eingerichtet. Was das neue Medium beinhalten soll, ist noch ebenso offen wie die Frage, wer es beherrschen wird. Aber wohl nicht ganz zufällig geht es buchstäblich auf den Schultern des akustischen Massenmediums los, das den Rundfunk zunächst als Konkurrenz erlebt. Und auch der Zeitpunkt ist ein besonderer: Hyperinflation begünstigt die Radikalisierung rechter und linker Gruppierungen, während in den Varietés wie wild getanzt wird.
Der expressionistische Dramatiker Arnolt Bronnen, der kurz zuvor mit seinem «Vatermord» einen Skandalerfolg auf die Bühne gebracht hat, gehört praktisch zu den Programmmachern der ersten Jahre. Er entwickelt Hörspielbearbeitungen von Klassikern, wie einen neunzigminütigen «Wallenstein», den der Regisseur dann mit Schauspielern vom Gendarmenmarkt in ihren Bühnenkostümen vor den Mikros aufführen lässt, mit halben Kokosnüssen für den Pferdegalopp. Doch Bronnen nimmt auch wahr, wie der Rundfunk zur politischen Einflussnahme begehrt ist, als marktförmige Berieselung interessiert oder eben als «Kultur-Träger konfirmiert» werden ...
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Eigentlich hatte man mit dem (halb)jährlichen Kroesinger schon seinen Frieden geschlossen: Wieder ein postdramatischer Abend, der den dokumentarischen Finger in eine noch nicht verheilte politische Wunde legt, der sich, je nach Krisengebietswind, den islamischen Selbstmordattentätern, der zum Foltern bereiten US-Armee, der deutschen Kolonialgeschichte in Afrika...
Seit einigen Jahren ist es in New York alltäglich geworden, schlechtes Theater zu sehen. Nicht nur vor den wirtschaftlich rentablen, kulturkonservativen Wohnzimmerdramen und touristentauglichen Musicalproduktionen muss man sich in Acht nehmen. Auch wenn das Stichwort «Avantgarde» fällt, ist Vorsicht geboten. Peinliche Abende in stickigen Bühnenräumen in...
Peter Korach ist schon eine gute halbe Stunde im Jenseits, liegt hübsch aufgebahrt im Zentrum der bewegungsfreudigen Drehscheibe der Münchner Kammerspiele und hat schon manche bühnentechnische Karussellfahrt hinter sich. Da schüttet sein Vater Simon, ein prominenter Lokalpolitiker, der vielleicht gar nicht sein Vater ist, noch einen Bauchladen voll Platituden über...
