Maßverhältnisse eines Ensembletheaters
Ein Ensemble ist ein Arbeits- und Beziehungszusammenhang auf Zeit. Wie jede Beziehungsarbeit kostet und produziert ein solcher Zusammenhang Kraft und Mühe. Sein Rohstoff ist der Reichtum an Handlungsenergie, an Erfahrung und an Fantasie der je einzelnen Individuen. Diesen Reichtum will ein Ensembletheater, das sich der Bedingungen seiner Möglichkeit bewusst ist, öffentlich freisetzen, transformieren in ein gemeinsames Projekt, will ihm eine Bühne geben.
Die Bedingung für einen solchen Prozess sei, schrieben Oskar Negt und Alexander Kluge vor mehr als 20 Jahren in ihren «Maßverhältnissen des Politischen», «dass die Menschen das, was sie träumen, was sie wollen und denken, ohne Verzerrungen und Brechungen durch die Gewaltmassen der Gesellschaft in Wirklichkeit umsetzen können».
Möglicherweise ist es hilfreich, die Vermutung von Negt/Kluge, dass das Politische als Substanzbegriff der Analyse unzugänglich sei, auf den Ensemblebegriff zu übertragen. Das Ensemble als Gedanke wie als Entität würde sich dann – wie die Elemente und Komponenten, aus denen sich das Politische speist – der begrifflichen Fixierung entziehen. Die Kraft eines Ensembles zeigt sich dann vor allem in den Formen ...
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Theater heute Jahrbuch 2015
Rubrik: Der Ensemble-Konsens, Seite 84
von Michael Börgerding
A
Petra Afonin
Schnabeltassen
(Württembergische Landesbühne Esslingen)
Thomas Arzt
Totes Gebirge (Theater in der Josefstadt)
Werthers große Liebe. Oder schick mir die Pistole, Baby
(Theater Phönix)
Auftrag:Lorey
Back to black (Deutsches Schauspielhaus Hamburg)
B
Hans op de Beeck
Die Leere nach dem Fest (Schauspiel Frankfurt)
Sibylle Berg
Und dann kam Mirna...
Die Hip-Dichte war ganz enorm», mit diesem schönen Satz beginnt eine Theaterrezension der «Zeit» vom 2. Mai 1997. «Ja, es scheint so, als wäre Frank Castorfs Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz bei der Premiere von ‹Trainspotting› der hippeste place in town, denn so viel grünes Haar und Schwarzgewand, so viel Nach-Sartre-Existentialismus hinter den schwarzen...
Immer wieder fällt das Wort Zombie. Und ein anderes: Gespenst. Von «eiskalten weißen Gespenstern» und «Seelen ohne Körper, die besessen sind, ihr (weißes) Erbgut weiterzugeben» ist da unter anderem die Rede. Und von Massen von schwarzen Zombies. Leichenberge, die wie Eisberge im Mittelmeer schwimmen. Nur dass es im Mittelmeer keine Eisberge gibt und stattdessen...
