Bttina Kerl, Helmut Wiesinger, Michael Scherff und Tim Breyvogel; Foto: Alexi Pelekanos
St. Pölten: Die Tankstelle der Verdammten
Jetzt hat Árpád Schilling es amtlich: Er ist ein Staatsfeind. Im September 2017 hat der ungarische Parlamentsausschuss für nationale Sicherheit den Regisseur als «potenziellen Vorbereiter staatsfeindlicher Aktivitäten» bezeichnet. Vom Orbán-Ungarn zum Staatsfeind erklärt zu werden, ist für einen Künstler keine Beleidigung, eher im Gegenteil. Aber dass sich kein ungarisches Theater öffentlich mit ihm solidarisierte, hat Schilling dann doch beunruhigt. Wenn seine Kinder größer sind, will er das Land verlassen.
Anfang des Jahrtausends wurden die Inszenierungen von Schillings Gruppe Kretakör – darunter eine intime Kammerspielversion von Tschechows «Möwe» – europaweit gefeiert. Angesichts der Zustände in seiner Heimat aber geriet der Regisseur in eine Sinnkrise; 2008 löste er das Ensemble auf, aus Kretakör («Kreidekreis») wurde eine mobile Einsatzgruppe für Projekte, die der Regisseur wichtiger fand als feinziselierte Tschechow-Inszenierungen: Theaterworkshops in Schulen etwa, oder Lehrstücke. In den letzten Jahren hat Schilling begonnen, seine politischen Botschaften auch in well-made plays zu verpacken, die er gemeinsam mit der Autorin Éva Zabezsinszkij verfasst (das Konzept ...
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Theater heute Februar 2018
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Wolfgang Kralicek
Über die Schweiz liefen 75 Prozent der Devisengeschäfte des Dritten Reiches, seit 1940 belieferte das neutrale Land ausschließlich die «Achsenmächte» Deutschland und Italien mit Waffen, 1942 schloss es seine Grenzen für jüdische Flüchtlinge. Doch das Bild einer Schweiz, die die Jahre 1933 bis ’45 in Neutralität und fern jeder Mitschuld an den Verbrechen des...
In Jan Speckenbachs Filmen wird das Alltägliche mythisch und ästhetisch überformt. Das war schon in «Die Vermissten» (2012) so, als Adoleszenz surreal-dystopisch ausgedeutet wurde. Und es ist in «Freiheit» so, dem neuen Film des Regisseurs, der auch für seine Videoarbeit in Castorf-Inszenierungen bekannt ist.
«Bevor die Seelen der Verstorbenen wiedergeboren...
Durch das Feld, durch den Wald, durch den Fluss. Isa ist aus einer psychiatrischen Einrichtung abgehauen, und jetzt irrt sie durch die Nacht, betäubt und befeuert von Pillen, die sie sporadisch einwirft. Begegnet einem taubstummen Kind. Erzählt dem die herzzerreißende Geschichte von einem in Spanien ausgesetzten Hund. Und tanzt glücklich auf Messers Schneide. «Ich...
