Zwei Killermäuse
Zwei Schwestern im Geist sind Mascha und Julia, von Tschechow so entfernt wie ihre «Proletenstadt» Toljatti von einer Garnisonsstadt in der Provinz – also alles in allem nicht sehr weit. Die Unterschiede sind gradueller Art – das existenzielle Sehnen bleibt. Toljatti heißt nach dem ehemaligen Generalsekretär der italienischen KP Palmiro Togliatti und ist der Ort, wo die Wolga-Automobil-Werke ihren Lizenz-Fiat produzierten. Nichts für Mascha und Julia.
Sie sehnen sich weg und bleiben doch gefangen in ihren Lebensumständen.
«Hast du dich verändert?», fragt Mascha am Ende; und die Prognose scheint ungünstig: «Dann habe ich den einen getötet», bilanziert sie. «Und dann den zweiten. Und was dann? Nach einiger Zeit wurde mir unheimlich – weil sich nichts verändert hatte. Hast du nichts verstanden? Das Licht ist nicht dunkler geworden, der Himmel hat nicht gezittert, keine Stimme hat sich aus dem Himmel ergossen, der Busch hat nicht angefangen zu brennen, die Reiter sind nicht angaloppiert … die Welt spuckt darauf, was wir machen.»
Eingangs winden sich die beiden Schwestern gefesselt im unteren Teil der fahrbaren Gerüstwand, die Stephan Testi als einziges Dekor in die Spiegelhalle gebaut ...
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