Was man in Deutschland denkt, fühlt und ist
Nach stundenlangem Kampf neigt sich die Bunkerdecke ein letztes Mal. Die Blechgeschirre mit der Henkersmahlzeit scheppern zu Boden, Leichen rutschen malerisch über die Schräge, dumpfes Wummern liegt in der Luft. Nur zwei Recken können noch aufrecht stehen: Gunther und sein braver Hagen, der ihm noch im Untergang den Rücken zur Sitzgelegenheit krümmt. Treu bis in den Tod. Dann kommt es, wie es kommen muss: Schwertgeschlitzt sinken auch die letzten Krieger hin.
Eisernes Pathos regiert das Finale von Andreas Kriegenburgs Münchner «Nibelungen».
Der suggestive Pomp um unverbrüchliche Mannesehre im Auge des sicheren Untergangs kennt kein Entweichen und dürfte noch den härtesten Wehrmachts-Rentnern eine Träne aus den greisen Augenwinkeln locken. Auch die Wirkung auf sentimentalere Gemüter ist beschreiblich. Man muss es in den Kammerspielen gesehen haben, im geschmackvollsten Jugendstil-Wohnzimmer der Bühnenrepublik, wie es so manchen theaterbegeisterten Mittvierziger, die gut verdauten Weißbiere an den Hüften, von den Sitzen hochreißt zum stehenden Applaus. Und noch beim Berliner Theatertreffen-Gastspiel in der ideologiezertrümmernden Volksbühne donnerte der Zuspruch recht beachtlich.
Da ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Vor fünf Jahren ist der in der Tschechoslowakei geborene und in der Schweiz aufgewachsene Igor Bauersima über Nacht bekannt geworden. Er hatte ein kleines Zweipersonenstück geschrieben: «Norway.today». Seither ist es eines der erfolgreichsten deutschsprachigen Stücke und wird fast auf der ganzen Welt gespielt. Damals schon konnte man die eigene Art von Igor...
Theater heute Die Erfindung des Kulturstaatsministeriums und die Schaffung der Bundeskulturstiftung gehören ohne Zweifel zu den großen Erfolgen der rotgrünen Regierung. Michael Naumann, Julian Nida-Rümelin und Sie haben das bestehende Kulturengagement des Bundes nicht nur besser sichtbar gemacht, sondern auch deutlich verstärkt; bestes Beispiel eben die...
Endlich ein neues Stück, das es wagt, den Mikrokosmos der (Klein-)Familie und der weitgehend belanglosen Beziehungsproblematiken zu überwinden. Ein in vieler Hinsicht politisches Stück. Ein Volksstück, obwohl der Autor es gar nicht als solches benennt. Ein Theaterstück, das eine bisher literarisch kaum beachtete, aber stetig wachsende Volksschicht in den Blickpunkt...
