Karlsruhe: Schlaglicht-Collage
Müllpartikel, die auf den Pazifikboden sinken, als «echos aus einem leben das niemandem mehr gehört». Erinnerungen als Abfall der Geschichte. Haare, Schuppen, Spucke, Nägel als Abfall des Körpers, als Überschuss. Menschlicher Überschuss als Folge eines auf Wachstum ausgelegten Systems.
Produziert der Mensch Müll, um sich als Nicht-Müll zu fühlen? Und braucht er deshalb zur Selbstwahrnehmung auch die Gescheiterten, die «unterm Strich» landen, damit er sich selbst als Existenz «überm Strich» empfinden kann?
Thomas Köcks Auftragswerk für das Badische Staatstheater Karlsruhe beginnt zwar mit einem Zoom in die Tiefen des Meeres, dargestellt durch den Blick eines Beobachters auf eine Bildschirmsimulation, auf der sich der strahlenverseuchte Müll von Fukushima dunkelrot abzeichnet («dort wo kein licht mehr hinfällt strahlt unser rest»). Doch dann schlägt Köck den Bogen vom titelgebenden Thema zum System, das dieses Thema erst hervorbringt. Und er bleibt nicht stehen beim Irrsinn von Wegwerfbechern (obwohl der auch vorkommt), sondern schwenkt von dort weiter auf die Wegwerfmentalität im Umgang mit Menschen – konkret dargestellt an der Biografie einer Tänzerin aus den USA, die nach ...
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Theater heute Mai 2018
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Andreas Jüttner
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