Klassischer Dreisprung
Ulrich Matthes, der den Shylock in der «Kaufmann von Venedig»-Inszenierung des Deutschen Theaters spielt, hat, so mein Eindruck, sorgfältig überlegt, klug durchdacht und hart daran gearbeitet, wie man der heiklen und alle Kräfte und Künste herausfordernden Rolle des jüdischen Geldverleihers beikommt, den seine «christlichen» Konkurrenten, die venezianischen Kaufleute, Übersee-Händler verachten und demütigen, obwohl – oder weil – sie ihn, sein Geld, brauchen.
Wie tritt er seinem Demütiger und Verächter, dem leichtfertig-wagemutigen Antonio entgegen, überlegt und zurückhassend zugleich?
Matthes als Shylock tritt unter die mehr gangster- als börsianerhafte, Zigarren rauchende kurzgeschorene Meute der anderen (sie sind in dieser Inszenierung nicht mehr als rohe, rüpelhafte Umrisse) im hellen Licht die Mitte der Bühne behauptend; ein sorgfältig seriös gekleideter Herr in korrektem schwarzen Anzug und Hut mit blütenweißem Hemd und schwarzer Krawatte.
Vorerst argumentiert er behutsam, aber deutlich akzentuiert, ob denn nicht auch ein Jude Rechte habe und blute, wenn man ihn steche, ehe er schneidend und donnernd Rache ruft und mit finsterem Nachdruck droht, dass er die Bosheit, die die ...
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