Die Nerven liegen blank
Ernsthafte aktionistische Gefahr bestand ja nie, wenn Irina Prosorowa zur Feier ihres 20. Geburtstages ihre Lebenspläne kundtat: «Das Haus verkaufen, mit allem hier Schluss machen, und nach Moskau.» Die Antriebsschwäche, mit der die Gelegenheitstelegrafistin und ihre Schwestern Olga und Mascha seit jeher in der Provinz-Immobilie des verstorbenen Vaters hocken bleiben, ist bekanntermaßen ihr ehernes Markenzeichen.
Gegen den elegischen Ton allerdings, den die Generalstöchter bei dieser Lebenszeitaussitzerei gern anschlagen, scheint sich in letzter Zeit vermehrt Widerspruch zu regen.
In René Polleschs «Drei-Schwestern»-Variation «House for Sale» an der Berliner Volksbühne empfiehlt Sophie Rois ihren Kolleginnen statt der hochfliegenden Moskau-Träume kurzerhand den Baseball-Schläger: «Das Haus verkaufen, mit allem hier Schluss machen – und einfach mal jemandem in die Fresse hauen!»
Der Keulen-Impuls
Diese erfrischend vitale Aggro-Note eignet auch Tilmann Köhlers Tschechow-Inszenierung am Staatsschauspiel Dresden – wiewohl die Dinge hier eher subkutan, mithin komplexer liegen. Der Keulen-Impuls ist primär autoaggressiver Natur: Die Dresdner Generalstöchter zeigen sich (auch) von ihrer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2014
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Christine Wahl
für Nadeshda
Personen
Wera, die schönste Frau der Welt – ohne es zu wissen
Nadeshda, die Tochter mit den kurzen Haaren
Ljubov, das abgetriebene Kind mit Zöpfen
Konstantin, der Held der Roten Armee ohne Haare
John, der Deutsche aus Amerika mit Haaren aus der Kinderschokoladenwerbung
Imran, der Mann mit grauen Haaren und vielen Blumen darin
Chris, der...
Seit das Londoner Globe Theatre 1997 von der Queen mit royalem Strahlen eröffnet wurde, hat man es als Touristenfalle, als Akademikerspielplatz, als den demokratischsten Theaterraum Englands und vieles mehr bezeichnet, doch bei einem sind sich alle einig: Jeder verbindet mit dem Globe Shakespeare, Shakespeare und nochmal Shakespeare. Der ist natürlich auch...
Der am 22. Oktober in Siena gestorbene Komponist Peter Fischer, gebürtiger Leipziger, studierte in Dresden und Berlin bei Fidelio F. Finke, Rudolf Wagner-Regény und Hanns Eisler, assistierte bei Brecht und Paul Dessau am Berliner Ensemble und war von 1952 bis 1961 Leiter der Schauspielmusik am Deutschen Theater, wo er mit Wolfgang Langhoff, Wolfgang Heinz und...
